Mechtild Borrmann: Lebensbande

Schicksale dreier Frauen in einem etwas emotionsarmen Roman

Das Buch schildert auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah, und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.

Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit der Erzählperspektive einer zunächst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt, abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.

Weiterlesen

Kate Fagan: Die drei Leben der Cate Kay

Cate Kay hat Erfolg. In Hollywood. Mit Büchern. Die gerade verfilmt werden. BislaCate Kay hat Erfolg. In Hollywood. Mit Büchern, die gerade verfilmt werden. Bislang lebte sie eher zurückgezogen, jetzt erklärt sie sich bereit, über ihr Leben zu reden – oder besser gesagt: zu schreiben. Es beginnt, als sie noch Annie heißt und bei ihrer suboptimalen Mutter lebt. Sie hat eine beste Freundin: Amanda. Die beiden sind so dicke, dass man sich sofort fragt, wo Amanda eigentlich in diesem Hollywood-Leben geblieben sein mag. Aber schon nach den ersten Seiten deutet sich etwas an: Annie kann Amanda nicht vertrauen. Das scheint weniger an Amanda als vielmehr an Annie zu liegen, aber klar bleibt: Die Teenagerfreundschaft beginnt zu bröckeln.

Nach einer fatalen Fehlentscheidung, die ich hier nicht spoilern möchte, verschwindet Annie, und Cass übernimmt. Sie hat nichts, beginnt ganz von vorne und baut sich ein neues Leben auf, das sie dann irgendwann aufgibt und zur Autorin Cate Kay wird. Eine Frau, die irgendwann von ihrer Vergangenheit eingeholt wird – einer Vergangenheit, die sich nicht mehr so darstellt, wie sie sie in Erinnerung hatte.

Weiterlesen

Nadine Kerger: My Highland Heart

Summers Welt gerät ins Wanken, als sie herausfindet, dass ihr verstorbener Bruder einen unehelichen Sohn hatte, der in Schottland lebt. Sie will ihren kleinen Neffen Tristan unbedingt kennenlernen und reist auf die Isle of Skye. Doch die Familie MacKenzie ist nicht gut auf ihren Bruder zu sprechen. Aus Angst verschweigt Summer daher ihre wahre Identität und tritt eine Stelle als Tristans Nanny an. Schnell schließt sie den aufgeweckten kleinen Jungen, die stürmische Insel und ihre Bewohner ins Herz. Nur mit Tristans Onkel Duncan gerät sie ständig aneinander. Gleichzeitig fasziniert sie seine schweigsame, raue Highlander-Art, und jedes Mal, wenn sich ihre Blicke begegnen, liegt ein Knistern in der Luft. Doch Summer spielt mit dem Feuer. Denn sollte Duncan herausfinden, wer sie wirklich ist, droht sie alles zu verlieren …

In diesem Buch entführt die Autorin ihre Leser nach Schottland. Die Beschreibungen gelingen ihr hierbei so gut, dass man das Gefühl hat, direkt vor Ort zu sein.

Weiterlesen

Dorothea Stelling (Hrsg.): Frauen schreiben über das Leben

„Holen Sie sich erst einmal einen Kaffee, bevor Sie den gesamten Personalrat köpfen.“ (S. 34)

Aufgefallen ist mir die Anthologie „Frauen schreiben über das Leben“ aufgrund des extravaganten Covers, das zwischen all den bunten Hochglanztiteln erfrischend aus dem Rahmen fällt. Darin findet sich eine bemerkenswerte Sammlung von 35 Kurzgeschichten über die Schönheit und die Zumutungen des Lebens. Niedergeschrieben als traurige, bittersüße, humorvolle und zuweilen skurrile Erzählungen, immer aus der Perspektive von Frauen, die auch heute noch viel zu oft nicht gehört wird. Sie erzählen von Mut, Verlust und Neubeginn. Manche von ihnen lassen den Leser auch nachdenklich zurück. Zwischen Sommerregen, innerem Stinktier und Kuchen mit Gott stecken sie sogar das Schreckgespenst der Wechseljahre zurück in die Kiste.

Weiterlesen

Anna Thaler: Die Papierschöpferin

Ein spannender, historisch gut recherchierter Roman über die Papierherstellung und die Mitte des 15. Jahrhunderts noch recht junge Kunst des Buchdrucks, verpackt in die Geschichte einer jungen Frau, die von heute auf morgen vor der Aufgabe steht, sich nicht nur um ihre jüngeren Geschwister, sondern auch um den Fortbestand der elterlichen Papiermühle kümmern zu müssen, nachdem ihr Vater von einer geschäftlichen Reise nach Venedig nicht zurückgekommen ist. Er sei an der Pest gestorben, sagt man Sofia. Doch sie hat von Anfang an Zweifel und würde lieber heute als morgen aufbrechen, um die wahren Umstände des Todes ihres Vaters in Venedig aufzuklären und zu erfahren, was er dort genau gemacht hatte. Zunächst können Sofia und ihre Geschwister noch auf die Unterstützung der Nachbarn aus dem Dorf rechnen, doch das hat ein jähes Ende, als Sofia und Matteo, der Sohn des mächtigsten Papiermühlenbesitzers der Region, sich weigern zu heiraten.

Weiterlesen

Molly O´Neill: Waterwitch

Jenny Greenteeth ist ein Monster, das im örtlichen See eines winzigen Dorfes irgendwo in England lebt und sich nicht in die Geschehnisse über Wasser einmischt. Warum sie die Hexe, die eines Tages in ihren See geworfen wird, nicht einfach aufisst, weiß sie selbst nicht – aber sie entscheidet sich stattdessen dafür, diese zu retten.

Temperance, die Heilerin des Dorfes, hat selbstverständlich Schwierigkeiten, dem grünen Ungeheuer mit den spitzen Zähnen zu vertrauen, aber eine richtige Wahl hat sie nicht. Denn wie sich herausstellt, ist der Pfarrer, der ihre Ermordung verordnet hat, der Erlkönig – ein mythologisches Monster, das um einiges schlimmer ist als die schlecht gelaunte Wasserfrau.

Weiterlesen

Kate Stewart: Severed Heart

Tyler ist düster, unnahbar und bereits in jungen Jahren mit einem eisernen Willen ausgestattet, doch niemand ahnt, welche dunklen Geheimnisse er vor der Außenwelt verbirgt – bis Delphine, eine vom Leben gezeichnete Straßenkämpferin, in sein Leben tritt. Als Einzige sieht sie die Narben auf seiner Seele – Narben, die ihren eigenen Schmerz widerspiegeln. Zwischen den beiden entsteht eine unerklärliche Verbindung, die sich tief in Tylers Herz brennt und ihn für immer verändern wird …

Tyler ist ein vielschichtiger, interessanter Charakter. Er besteht fast nur aus Wut und Schmerz. Erst wenn man ihn besser kennenlernt, merkt man, wie verletzlich er eigentlich tief im Inneren ist.

Das Buch hat mich innerlich zerrissen.

Weiterlesen

Robert Galbraith: Der Tote mit dem Silberzeichen

Cormoran und Robin ermitteln wieder, doch diesmal steht nicht der Fall im Mittelpunkt.

Wenn ich richtig gezählt habe, ist dies der achte Fall der Detektei Strike and Ellacott. Und wieder breitet Robert Galbraith (aka J. K. Rowling) die Ereignisse auf reichlich Seiten aus.

Trotzdem könnte man die Handlung in einem einzigen Satz zusammenfassen: Die Detektei bekommt den Auftrag, ein Mordopfer zu identifizieren. Oder man scheitert kläglich an einer Zusammenfassung der Handlung, denn diese wird ziemlich komplex und vielschichtig – um nicht zu sagen kompliziert und arg verschlungen – erzählt.

Dabei ist in diesem neuen Band gar nicht der Auftrag im Mittelpunkt, den Robin und Cormoran von einer verzweifelten Frau bekommen, die glaubt, der Tote sei ihr Geliebter und der Vater ihres Kindes. Fast mehr dreht sich die Handlung um die Beziehung zwischen Cormoran und Robin, die einander lieben, sich aber nicht trauen, dies einander oder auch nur sich selbst gegenüber einzugestehen.

Weiterlesen

Elisabeth Sandmann: Wir dachten, das Leben kommt noch

1940 gründete der britische Premierminister Winston Churchill die „Special Operations Executive“, kurz SOE genannt. Eine spezielle Einsatzgruppe, die in allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten aktiv war, so auch in Frankreich, wo sie als Sektion F bekannt war. Winston Churchill wollte damals die Nationalsozialisten und Faschisten in Europa vollständig vernichten, wofür – schon im eigenen Interesse der Briten – der Widerstand im besetzten Frankreich gestärkt werden musste. Allein auf die Unterstützung der Résistance wollte er sich dabei allerdings nicht verlassen.

Das Besondere an dieser neuen Organisation, der SOE, war, dass zum ersten Mal auch Frauen angeworben und aufgenommen wurden. Sie wurden gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen und ebenso intensiv für Kampfhandlungen ausgebildet. Das hatte es in herkömmlichen Agentennetzwerken bisher nicht gegeben. Doch Frauen waren im Einsatz unauffälliger als Männer, hatten andere Möglichkeiten, an Informationen zu kommen oder zum Beispiel Sprengstoff für geplante Anschläge unter Kartoffeln im Einkaufskorb oder im Kinderwagen verborgen zu transportieren. Die Frauen der Sektion F haben Wesentliches zum Sieg über die Wehrmacht beigetragen, doch Erwähnung fanden ihre mutigen und lebensgefährlichen Einsätze kaum.

Weiterlesen

Caroline Stadsbjerg: Carnivora

Wenn beim gemeinsamen Essen das erste Familienmitglied erklärt, kein Fleisch mehr essen zu wollen, sind Verwunderung und Diskussionsbedarf unvermeidbar. Fleisch sei wichtig für eine gesunde Ernährung. Das Leben mit Fleisch sei gesünder und besser. Und wenn das Familienmitglied trotzdem auf vegetarischem Essen besteht, fühlen sich die anderen persönlich angegriffen. Auch Hannah erlebt diese Diskussion am Tisch ihrer Schwester, nachdem ihr Schwager Adam neben diversen Beilagen Fleisch mit einer aufwendig gekochten Sauce serviert. Die Gemüter sind erhitzt. Streit liegt in der Luft.

Doch wie soll Hannah sich erklären? Im Vergleich zu ihrer Familie hat sie eine bekannte Zuchtfarm besichtigt. Diese soll das beste Fleisch in der ganzen Umgebung liefern, heißt es.

Weiterlesen