Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Ein Löffel Glück

Ein schöner, leichter, gut geschriebener und flott zu lesender Roman mit ernstem Hintergrund.
Die Me-Too-Debatte wird hier geschickt in die Geschichte eines Models eingesponnen, das vor einer Neuausrichtung seines Lebens steht und nicht so recht weiß, wie es nach einer mehr oder weniger beendeten Modelkarriere und einem Burn-out weitergehen soll. Annabelle, einst gefeiertes und bekanntes Model, steht vor der Frage, was sie in Zukunft machen will, was sie vom Leben erwartet und was sie bereit ist zu geben. Ihr Versuch, ein eigenes Restaurant zu betreiben, das mehr von ihrem Namen als von ihrem gastronomischen Können lebt, ist grandios gescheitert, nachdem Sophie, damals Londons bekannteste Restaurantkritikerin, einen bösen Verriss veröffentlicht hatte.

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Ulrich Holbein und Ralf Simon (Hrsg.): Weltall im Krähwinkel: Ein Jean-Paul-Lesebuch

Der fränkische Autor Jean Paul (1763–1825) wurde unter dem bürgerlichen Namen Johann Paul Friedrich Richter in Wunsiedel geboren. Seine Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau veranlasste ihn, den Künstlernamen Jean Paul zu wählen. Aus literaturgeschichtlicher Perspektive sind seine umfassenden Werke zwischen den Epochen Klassik und Romantik einzuordnen. Über seinen Lehrer, den protestantischen Pfarrer Erhard Friedrich Vogel, wurde er mit den Ideen der Aufklärung vertraut, sodass er von Anfang an offen und frei bestehende Regeln hinterfragte. In jungen Jahren erwarb er sich durch das Lesen vieler Bücher ein umfangreiches Wissen. Dieses Privileg dürfte ein Vermögen wert gewesen sein, da Bücher zu jener Zeit extrem teuer waren. Während seines Studiums der Theologie in Leipzig begann Jean Paul mit seiner schriftstellerischen Arbeit. Erste Veröffentlichungen erschienen 1783 und 1784.

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Deidra Duncan: Love Sick

Noch bevor Grace als Assistenzärztin in der Gynäkologie beginnt, kursiert das Gerücht, sie habe den begehrten Ausbildungsplatz nur bekommen, weil sie mit jemandem aus der Chefetage geschlafen habe. Gerade sie, die nach dem traumatischen Ende ihrer letzten Beziehung alle potenziellen Partner auf Abstand hält. Grace geht fest davon aus, dass auch ihr unverschämter, aber attraktiver Kollege Julian das Gerede glaubt. Erst als beide feststellen, dass sie sich in der toughen Ausbildung gegenseitig helfen können, beginnt das Eis zu schmelzen. Doch während Grace Gefühle für Julian entwickelt, fragt sie sich, ob sie sich öffnen kann – und ob das unter diesen Umständen wirklich eine gute Idee wäre …

Die ersten Kapitel waren noch etwas überladen mit Fachjargon und vielen Charakteren. Es dauert eine Weile, bis man alles versteht. Bald aber war ich vollkommen in dem Buch versunken und konnte kaum mehr mit dem Lesen aufhören.

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Julia Schuck: A Spoonful Of Us

Inhalt

Ein Online-Date, ein verpatzter One-Night-Stand und dann: die große Liebe. Oder?

Saras und Lucas erstes Date wird von Saras toxischem (Ex-)Freund gestört. Wenig später treffen sich beide in dem italienischen Restaurant von Saras Cousin wieder – in dem Luca Stammgast ist. Obwohl die beiden sich am liebsten aus dem Weg gehen würden, erarbeiten sie zusammen ein Love-Birds-Menü für das Restaurant im Rahmen des anstehenden Food-Festivals in der Stadt. Wenn da nur nicht Saras eventuell-vielleicht-noch-Freund und die Erinnerung an das letzte Date wären …

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Bodo Kirchhoff: Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt

Der deutsche Schriftsteller Bodo Kirchhoff wird in diesem Jahr 78 Jahre alt. Er schreibt Romane, Erzählungen, Drehbücher und Theaterstücke. Seine Werke wurden ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis 2016 für die Novelle „Widerfahrnis“. Am 15. Januar 2026 veröffentlichte dtv seinen neuesten Roman mit dem Titel „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“.

Terese und Viktor, das „ewige Paar“?

Und tatsächlich ist der Titel des Buches „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“, wenngleich etwas sperrig, vortrefflich gewählt.

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Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 20: Bock auf Party?

Es ist inzwischen schon so etwas wie eine Tradition: Kurz vor Weihnachten kommt die neue Ausgabe von Gregs Tagebuch auf den Markt. Seit 20 Bänden (und einigen Spin-offs) kommen besonders junge Leser durch Greg ans Lesen. Weil es nicht nur Text hat, sondern auch Bilder, die etwas aussagen. Weil es leicht lesbar ist. Weil es witzig ist. Weil es aus dem Leben eines Teenagers gegriffen ist, obwohl Jeff Kinney schon lange keiner mehr ist.

Dieses Buch beginnt mit einer großen Enttäuschung: Seine Familie hat Gregs Geburtstag vollkommen vergessen. Obwohl Greg von seinen Geschenken in den letzten Jahren nicht immer überzeugt war und das mit dem automatischen Wunscherfüllen irgendwie nicht klappen will, freut er sich doch auf den Tag. Nur ist seine Mutter aktuell viel zu sehr mit dem Kuchenbackwettbewerb beschäftigt, um an ihn zu denken. Dabei hat er dieses Jahr einen besonderen Wunsch: eine extrem seltene Sammelkarte.

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Peter Schneider: Die Frau an der Bushaltestelle

Peter Schneiders Roman „Die Frau an der Bushaltestelle“ spielt im Westberlin der späten 1960er-Jahre und verbindet eine private Liebesgeschichte mit der aufgewühlten Stimmung der Studentenbewegung. Im Mittelpunkt steht eine Dreiecksbeziehung, die von Liebe, Eifersucht und falschen Entscheidungen geprägt ist – und deren Folgen der Erzähler erst viele Jahre später wirklich begreift.

Ausgangspunkt ist die Erinnerung an eine Begegnung an einer Bushaltestelle. Dort trifft der Erzähler auf Isabel, eine junge Frau, die aus der DDR in den Westen geflohen ist. Sie ist schön, selbstbewusst und voller Sehnsucht nach einem anderen Leben. Isabel verliebt sich in Nick, den besten Freund des Erzählers: einen tatkräftigen, unkomplizierten Mann, der Abenteuer und Sicherheit zugleich verspricht. Der Erzähler selbst fühlt sich ebenfalls zu Isabel hingezogen.

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Kalie Cassidy: Das Lied der Tiefe

Seien Sie willkommen am Hof des grausamen Königs Nemea. Seit dieser sich – aus einfachen Verhältnissen stammend – hochgemordet und die Herrschaft über die unwirtliche Insel Seraf an sich gerissen hat, ist er unter seinen Standesgenossen verpönt.

Nun hat er zur Hochzeit seines Mündels mit seinem Kommandanten gerufen – und alle sind trotz ihrer Ressentiments seiner Einladung gefolgt. Dass die junge Braut Imogen Nel, von deren ererbtem Reichtum der König zehrt, eine Sirene ist, ahnt er nicht.

Als ihr Verlobter sie anlässlich der Verlobungsfeier verführt, brechen schwarze Flügel aus ihrem Rücken – ihr Geheimnis, das sie so lange gehütet hat, ist offenbart.

Sie ahnt, nein, sie weiß, dass sie ein Schicksal schlimmer als der Tod erwartet, sofern sie nicht flieht.

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Alex Beer: Felix Blom: Mord an der Spree

Inhalt

Die Privatdetektive Felix Blom und Mathilde Voss stoßen im Rahmen ihrer Ermittlungen auf ein Ereignis aus Mathildes Vergangenheit: Das mysteriöse Verschwinden einer Freundin scheint in Verbindung mit ihrem aktuellen Mordfall zu stehen. Schnell stellt sich heraus, dass jemand vor keinem Mord zurückschreckt, um ein Geheimnis zu wahren. Im Zuge ihrer weiteren Ermittlungen wird Mathilde verhaftet und des Mordes angeklagt. Ihr droht die Todesstrafe. Felix hat nur noch wenig Zeit, den Fall allein zu lösen …

„Blom blieb zurück. Der Wind raschelte in den Wipfeln (…). Noch einmal drehte er sich um und blickte auf die Villa. Jemand spielte ein böses Spiel, und er musste herausfinden, wer.“ (S. 87)

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Mechtild Borrmann: Lebensbande

Schicksale dreier Frauen in einem etwas emotionsarmen Roman

Das Buch schildert auf Basis der Erinnerungen von Zeitzeugen die Erlebnisse von drei Frauen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Frauen, die wohl mehr oder weniger typisch sind für das, was damals vielen Menschen geschah, und für die Folgen, die das für ihr weiteres Leben hatte.

Mechtild Borrmann, deren Romane „Trümmerkind“ und „Feldpost“ ich ungemein spannend und emotional fand, erzählt hier auf mehreren Zeitebenen. Es beginnt in der Zeit kurz nach dem Mauerfall mit der Erzählperspektive einer zunächst noch namenlosen älteren Frau. Sie lebt allein mit ihrem Hund, hat einen Garten und wenig Kontakt, abgesehen von einem befreundeten Ehepaar. Sie schweigt zu ihrer Vergangenheit, wofür sie, wie sich später herausstellt, einen guten Grund hat.

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