Lisa Roy erzählt in „Alles ist Gold“ von einer jungen Frau, die aus der Bahn gerät – und gerade im Stillstand merkt, wie wenig sie bisher selbst entschieden hat. Es ist ein leiser, beharrlicher Roman über Selbstzweifel, Erwartungen und die Zumutung, ein eigenes Leben zu beginnen.
Jana ist 30 Jahre alt, frisch getrennt – und schwanger nach einem One-Night-Stand. Und sie weiß nicht, was sie will: kein Kind, ein Kind, zurück ins alte Leben, hinaus aus allem. Sie zieht zu ihren Eltern, kreist in Gedanken um sich selbst und findet doch keinen Punkt, an dem aus Denken Entscheidung und Handeln wird.
Diese Unsicherheit ist nicht nur Janas Charakterzug, sondern das erzählerische Prinzip von „Alles ist Gold“. Fast jeder Impuls wird wieder zurückgenommen, jede Möglichkeit sofort infrage gestellt. Das ist psychologisch glaubwürdig, bisweilen für die Leserin/den Leser aber auch anstrengend. Denn der Roman richtet sich in Janas Unentschiedenheit gelegentlich so gründlich ein, dass die äußere Handlung an Spannung verliert.
Bewegung kommt erst durch Miral in die Geschichte, eine selbstbewusste Frau, die Jana zugleich fasziniert und verunsichert. Mit ihr bricht Jana nach Italien auf. Der Roadtrip gibt dem Roman Struktur, doch im Kern bleibt diese Reise eine innere: Jana flieht nicht nur vor einer Entscheidung, sondern vor der Erkenntnis, dass sie ihr Leben lange an fremden Erwartungen ausgerichtet hat.
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