Timothée de Fombelle, erfolgreicher Dramatiker und Jugendbuchautor, hat jetzt seinen ersten Roman für Erwachsene vorgelegt. Genauer gesagt, handelt es sich eher um eine Novelle, denn das Werk ist ganze 96 Seiten lang. Und dennoch schildert de Fombelle ein ganzes Leben (so lautet übrigens auch der französische Titel: La vie entière).
Wir befinden uns im Jahr 1944. Die 19‑jährige Claire ist Teil der Résistance; sie überbringt Passfotos und gefälschte Papiere und tippt Flugblätter, die »Fliegenden Blätter«, die ihr ein junger Mann diktiert. Blanche, so sein Pseudonym, hat ihr klare Anweisungen gegeben: Erscheint er einmal nicht zum vereinbarten Zeitpunkt, soll sie die Wohnung verlassen und sich in Sicherheit bringen.
Doch Claire, die heimlich in Blanche verliebt ist, bleibt. Die Geschichte umfasst diesen einen Tag, an dem Claire vergeblich wartet und sich eine andere Welt erträumt, ein anderes Leben, nach dem Krieg, mit Blanche. Ihre Gedanken pendeln hin und her zwischen der Vergangenheit, ihren Erlebnissen als Kurierin und der glücklichen, imaginierten Zukunft mit Jean oder Laurent oder wie immer er in Wirklichkeit heißen mag. Es sind diese »Vorauserinnerungen«, die sie verharren lassen, dem Risiko, verhaftet zu werden, zum Trotz. Es sind scheinbar banale Situationen, Bilder eines ganz alltäglichen Lebens, die scharf mit der grausamen Gegenwart kontrastieren: wie er von der Arbeit heimkehrt und den Mantel aufhängt, ein Buch liest, seine Hand zärtlich auf ihren Rücken legt, ein gemeinsamer Abendspaziergang:
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