Darcy Coates: The Whispering Dead: Gravekeeper Band 01

Ganz nett

Und genau das ist leider das Problem. Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich. Denn obwohl alles da ist – Friedhof, Geister, düstere Atmosphäre, geheimnisvolle Protagonistin – bleibt „The Whispering Dead“ für mich zu vorhersehbar und austauschbar. Eher wie eine gemütliche Mystery-/Gruselgeschichte für Jugendliche.

Kieras Fähigkeit, Geister zu sehen, hätte bei mir eigentlich ein faszinierendes Kribbeln auslösen sollen, wirkt aber überraschend leblos und fühlt sich wie ein bekanntes Horror-Template an.

Slow Burn? Ja. Spannend? Nein. Gruselig? Auch nicht wirklich. Stattdessen weichgespült. Die Figuren wirken unreif, die Dialoge oft kitschig, die Handlung plätschert. Ich bin durch die Seiten gegangen, aber nie wirklich drin gewesen. Es bleibt nichts hängen. Keine Neugier auf Band 2, kein inneres „Ich muss wissen, wie es weitergeht“.

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Linus Geschke: Das Camp

Spannend, packend, neugierig machend auf die Fortsetzung, dank eines – wie schon im ersten Teil – offenen Endes. Tolle, starke Charaktere mit Ecken, Kanten und einem weichen Kern.

Im zweiten Teil der „Donkerbloem-Trilogie“, „Das Camp“, steht die Hamburger Kriminalkommissarin Frieda Stahnke im Mittelpunkt, die schon im ersten Teil, „Der Trailer“, eine wichtige Rolle gespielt hat. Die schrecklichen Ereignisse, die sie damals nach Camp Donkerbloem geführt hatten, wo sie auch den eigensinnigen Kölner Barbesitzer Wout, der nach wie vor gerne auch mal ein paar „kleine Geschäfte“ nebenher macht, seine Untermieterin Kathinka, IT-lerin, die nach wie vor versucht, den Mord an ihrer Schwester Julia endlich aufzuklären, und Tayfun, den ehemaligen Boxer und Wouts guten Freund, kennengelernt hat, sind zwar Vergangenheit, aber vergessen hat sie keiner der vier.

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Hafsah Faizal: A Steeping of Blood: Blood & Tea 02

Mit „A Steeping of Blood“ liefert Hafsah Faizal den fulminanten Abschluss ihrer „Blood & Tea“-Dilogie. Uns erwartet ein Roman, der die ruhige Eleganz von Teestuben aus dem ersten Teil gegen politische Intrigen, düstere Enthüllungen und explosive Emotionen eintauscht. Was in „A Tempest of Tea“ als atmosphärisches Gauner-Abenteuer begann, verwandelt sich vorliegend in ein tief emotionales, vielschichtiges Finale, das seine Figuren ebenso herausfordert wie seine Leserinnen und Leser.

Die Ereignisse setzen unmittelbar nach dem verheerenden Ende des ersten Bandes ein. Arthie Casimir, ihr Bruder Jin und die restliche Crew stehen vor den Scherben einer Stadt, die ins Chaos gestürzt wurde. Das Aufdecken der wahren Identität des Widders – des Monarchen von Ettenia – hat die Machtverhältnisse verschoben, nur leider nicht unbedingt zu ihren Gunsten. Zudem verschwinden immer mehr Menschen scheinbar spurlos. Die Schuld wird den Vampiren zugeschoben. Auch alte, einst felsenfeste Loyalitäten drohen endgültig zu zerbrechen.

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Susanne Lieder: In der Liebe wollen wir frei sein

Gerade mal gut fünfzig Jahre sind im Rückblick keine lange Zeit, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, was sich in den letzten 50, 55 Jahren gerade für Frauen alles verändert hat, könnte man meinen, man rede von einem lange vergangenen Jahrhundert. Bis Mitte der 1970er-Jahre durften Frauen ja eigentlich kaum etwas selbstständig und alleine für sich entscheiden. Sei es, ein Konto eröffnen, einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, den Führerschein machen, Verträge abzuschließen – all das musste vom Vater oder Ehemann genehmigt werden. Als 1971 in Paris eine viel beachtete Demonstration stattfand, bei der sich Frauen dazu bekannten, abgetrieben zu haben, kam ein Stein ins Rollen.

Die Journalistin Alice Schwarzer, die damals als Korrespondentin in Frankreich gearbeitet hat, hatte sich dieses Themas angenommen und diese Demonstration initiiert. In der Folge erschien ein ebenso aufrüttelnder Artikel von ihr zu diesem Thema im „Stern“. Das Titelblatt mit den Fotos von prominenten und anderen Frauen, die offen erklärten „Wir haben abgetrieben“ und sich damit strafbar machten, haben viele bestimmt noch in Erinnerung.

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Marcus Kliewer: Die Besucher: Wenn du sie hereinlässt, werden sie nie wieder gehen

Wenn die Realität verrutscht

Du scrollst nachts durch alte Reddit-Threads über urbane Legenden, und plötzlich klopft es an deiner Tür. Nicht aggressiv, sondern höflich, fast peinlich entschuldigend. Die Leute wollen nur mal „kurz reinschauen“.

Genau so fühlt sich die erste Hälfte von „Die Besucher“ an: ein People-Pleasing-Alptraum, gespeist aus Social Anxiety. Jede verschobene Lampe, jedes falsch erinnerte Geräusch, jeder Mandela-Moment lässt dich an deiner Wahrnehmung zweifeln.

Ich mochte auch die found-footage-artigen Paratexte: Forenposts, Archivdokumente, Karten und dieses Gefühl, in etwas Verbotenes reinzurutschen.

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Lutz van der Horst: Konfettiblues

Ein Roman, den man nicht gelesen haben muss

Wenn jemand, der bereits populär und bekannt ist, ein Buch schreibt, verkauft es sich meist wie von selbst. Da ist es eher zweitrangig, ob der Roman gut geschrieben ist und die Handlung interessant.

Lutz van der Horst, man kennt ihn u. a. aus der „Heute-Show“, ist Comedian, und so liegt es nahe, dass er auch einen komischen Roman schreibt, den der Untertitel als Liebesroman ausweist. Was er durchaus auch ist, handelt er doch von Max, einem verhinderten Comedian, der verzweifelt Engagements sucht und eben auch die Liebe.

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Irene Vallejo: Papyrus: Die Geschichte der Welt in Büchern

Wer Bücher liebt, liebt diese Hommage an das geschriebene Wort! Noch nie habe ich mich durch die Seiten einer Autorin geblättert, die so leidenschaftlich, gewitzt und fundiert über die Magie des Lesens erzählt. Irene Vallejo nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise. Sie zeigt uns: Ohne Bücher gäbe es kein Europa, keine Demokratie, keine Menschenrechte. Keine Zivilisation, wie wir sie kennen. Bücher sind der Leim, der Menschen zusammenkittet – über Landesgrenzen, Ethnien, Kulturen und Generationen hinweg.

Da ist die Entstehung der Schrift im einstigen Mesopotamien, die ursprünglich eher dazu diente, Besitzverhältnisse zu klären. Motto: Erst wird gezählt, dann erzählt. Da ist die Entstehung des Buches über viele Stationen wie Steintafeln, Papyrusrollen und Pergament bis hin zum Buchdruck und E-Book. Und da sind natürlich Menschen, welche die Bücher schreiben, sammeln, vernichten und dazu nutzen, ihre Ideen und Überzeugungen zu verbreiten.

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Frank Goosen: Lovely Rita

In Lovely Rita bleibt der Bochumer Autor Frank Goosen seiner vertrauten Erzählweise und seinen Themen treu. Im Mittelpunkt steht diesmal das „Haus Himmelreich“, eine der letzten echten Kneipen ihrer Art – mit durchgesessenen Barhockern, Nikotinschatten an den Wänden und Gästen, die seit Jahrzehnten dieselben Plätze einnehmen. Doch nun soll das legendäre Lokal schließen. Für den Ich-Erzähler, der einen Abschiedsartikel schreiben will, werden die letzten beiden Abende zu einer Reise durch Erinnerungen, Gespräche und Geschichten. Sie alle kreisen um eine Frau, die gar nicht anwesend ist: Rita Urbaniak, die Wirtin. Seit den 1970er-Jahren hat sie das Himmelreich geführt, ihre schrulligen Stammgäste durch Hochzeiten und Herzschmerz begleitet und sogar ihre Nichte großgezogen. Doch wo bleibt Rita am vorletzten Abend?

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Steve Barlow, Steve Skidmore, Wendy Tan Shiau Wei: Romeo und Julia

Die Liebesgeschichte von Romeo und Julia kennt sicher jeder. Vielleicht nicht im Detail, aber doch in groben Zügen. Gelesen aus eigenem Interesse, als LeDie Liebesgeschichte von Romeo und Julia kennt sicher jeder. Vielleicht nicht im Detail, aber doch in groben Zügen. Gelesen aus eigenem Interesse, als Lektüre im Englischunterricht oder mal im Theater gesehen. „Romeo und Julia“ zählt immerhin zu den bekanntesten Stücken von William Shakespeare. Diese weltberühmte, 500 Jahre alte Liebesgeschichte um zwei junge Leute, die sich unsterblich ineinander verlieben und deren Familien aufs Heftigste verfeindet sind, ist jetzt neu aufgelegt worden – als wirklich gut gemachte, eindrückliche Graphic Novel. In sehr eindrücklichen, realistischen, teilweise auch düsteren Bildern wird die tragische Geschichte ihrer zum Scheitern verurteilten Liebe auf moderne Art nacherzählt und sehr anschaulich dargestellt.

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Mai Corland: Three Shattered Souls: Macht ist Lüge: The Broken Blades 03

Willkommen in Yusan. In den vier Provinzen des Reiches herrscht Unruhe. Der Gottkaiser wurde abgesetzt, ein neuer Herrscher hat die Macht übernommen und sich des göttlichen Artefakts bemächtigt.

Der Usurpator auf dem Schlangenthron weiß, dass die Abenteurer, die einst im Auftrag des Drachenkönigs auszogen, um die anderen magischen Artefakte zu stehlen, erfolgreich waren. Drei der göttlichen Hinterlassenschaften hat die mittlerweile auf vier Gefährten geschrumpfte Truppe gesichert. Dass sich unter ihnen inkognito Abkömmlinge der königlichen Familien der vier Provinzen befinden, macht sie für den neuen Herrscher besonders gefährlich.

Kein Wunder also, dass der Kaiser eine nie dagewesene Belohnung für ihre Ergreifung auslobt – wer ihm einen der vier lebend bringt, erhält eine Million Goldstücke.

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