Liza Marklund: Das kalte Moor

Das in recht dunklen Farben gehaltene Cover vermittelt einen guten Vorgeschmack auf die Geschichte, die der zweite Teil der Polarkreis-Trilogie erzählt. Düster, geheimnisvoll, aber diesmal wesentlich persönlicher als im ersten Teil, den man im Übrigen nicht gelesen haben muss, um jetzt im zweiten mitzukommen. „Das kalte Moor“ ist gut als Standalone zu lesen, die Geschichte erklärt sich gut und ohne viele Bezüge.

Düster und leicht bedrückend ist die Gegend, in der die Autorin das Geschehen angesiedelt hat. Stenträsk, ein kleiner schwedischer Ort nördlich des Polarkreises und unmittelbar angrenzend an ein Raketenversuchsgelände, das schon an sich geheimnisumwoben ist, weil die, die dort arbeiten, ob aus dem kleinen Ort oder von ihren Firmen irgendwo auf der Welt für eine gewisse Zeit abgeordnet, natürlich nicht über das reden dürfen, was auf dem Gelände passiert oder erforscht wird. Dennoch kommt man natürlich miteinander in Kontakt, immerhin müssen diejenigen, die nur auf Zeit in Stenträsk arbeiten, ja im Hotel wohnen und man trifft sich natürlich auch mal in der Kneipe. Markus, der Sohn des örtlichen Polizeichefs Wiking Stromberg, arbeitet auf dem Versuchsgelände. Was genau er dort macht, darf er auch seiner Familie nicht erzählen, nur so viel: Er soll befördert werden und würde dieses Angebot auch gerne annehmen. Wenn da nicht dieses anonyme Schreiben wäre, das ihn eindringlich davor warnt. Der Schreiber, die Schreiberin bittet ausdrücklich, dass Markus das Schreiben seinem Vater zeigt, der sofort einen bestimmten Verdacht hat, wer der Absender sein könnte.

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Cameron Sullivan: The Red Winter: Macht ist eine hungriger Bestie

Er wandelt seit Jahrhunderten über die Erde. Die Rede ist von Sebastian Grave – wie er sich derzeit nennt. Ein Mann voller verborgener Talente: ein arkaner Magier, Wirt eines Dämons und vielleicht – neben dem Erzengel Michael – der Einzige, der die Bestie, die erneut die französische Region Gévaudan heimsucht, ausschalten kann.

Einst, beinahe eine Generation ist es nun her, war er, nachdem er die Verbrennung der Jeanne d’Arc nicht verhindern konnte, in seiner Rolle als griechischer Professor bereits einmal im Département. Damals verbreitete eine mordlüsterne, unbesiegbare Bestie Angst und Schrecken. In der Gestalt eines riesigen Bären manifestierte sich der Dämon Avstamet, einst besser bekannt unter der Bezeichnung des Gottes Ares oder Mars, und richtete ein Blutbad sondergleichen an.

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Annette Ramelsberger: Am Abgrund: Reportagen aus den Gerichtssälen dieser Republik

Wenn Systeme versagen, dann funktioniert gar nichts mehr. Vielleicht lassen sich Ersatzteile beschaffen, vielleicht findet sich ein Handwerker.

Die Kapitäne so mancher Industriegiganten bieten alternativ neue Systeme an. Das alte wird entsorgt, das neue System macht dort weiter, wo das alte aufgehört hat. Wäsche wird wieder sauber, Autolampen leuchten auf und vieles mehr, bis nach der Garantiezeit erneut etwas im System nicht mehr funktioniert.

Doch was macht man, wenn das System Gesellschaft nicht mehr funktioniert? Wenn das Rechtssystem systematisch vorgeführt wird, weil seine Vertreter das Gesetz achten und nach diesen Maßstäben Recht sprechen, während andere das gleiche Recht nicht nur missachten, sondern partout für sich selbst nicht relevant halten? Wenn bei den Angeklagten keinerlei Unrechtsbewusstsein festgestellt werden kann und diese sogar darauf beharren, es sei ihre Pflicht und ihr gutes Recht, andere zu ermorden?

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Bianca Iosivoni: Silver Lights: The more I love you

Niemals hätten Shae und Beck erwartet, dass ihr Fake-Dating-Deal eine solche Wendung nehmen und ihr Leben dermaßen auf den Kopf stellen würde. Gerade waren sie einander noch so nahe wie nie zuvor – jetzt ist eine gemeinsame Zukunft unmöglich. Während Shae ein unvorstellbares Opfer gebracht hat, hofft Beck, zumindest seinen Pub gerettet zu haben. Doch der Schein trügt, denn schon bald holt ihn seine Vergangenheit erneut ein. Und auch Shae muss eine Entscheidung treffen, die alles verändern könnte. Die Angst, nie wirklich frei zu sein, hat sie beide fest im Griff. Und als ein schreckliches Geheimnis ans Licht kommt, drohen Shae und Beck endgültig alles zu verlieren, was ihnen je etwas bedeutet hat …

Hier handelt es sich um den zweiten Band dieser Reihe; er ist nicht unabhängig lesbar.

Die Geschichte geht nahtlos nach Band eins weiter. Nach dem Cliffhanger in Band eins war ich gespannt, wie es für Beck und Shae wohl weitergehen wird. Die Handlung konnte mich jedoch nicht so mitreißen wie bei Band eins.

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Elizabeth Strout: Erzähl mir alles

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout (Jahrgang 1956) erhielt 2009 den Pulitzer Prize for Fiction für ihren Roman „Olive Kitteridge“. Am 18. März 2026 erschien ihr neuer Roman mit dem Titel „Erzähl mir alles“ im Luchterhand Literaturverlag. Sabine Roth übersetzte ihn ins Deutsche.

Crosby in Maine forever

Elizabeth Strout führt uns in „Erzähl mir alles“ wieder nach Maine in den fiktiven Ort Crosby. Die Schriftstellerin Lucy Barton ist mit ihrem Ex-Mann William hierher zurückgekehrt. Nun unternimmt sie lange Spaziergänge mit dem Anwalt Robert (Bob) Burgess, auf denen sie sich über „das Leben“ unterhalten. Außerdem besucht sie die inzwischen 90-jährige Olive Kitteridge im Seniorenheim, wobei sie sich gegenseitig Geschichten erzählen.

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A. T. Qureshi: The Baby Dragon Café

Saphira betreibt das Baby Dragon Café voller Herzblut, denn einen eigenen Drachen wird sie, die nicht aus einer Drachenreiterfamilie stammt, nie besitzen. Also kümmert sie sich stattdessen um ihre feurigen kleinen Gäste, immer gutmütig, auch wenn einmal ihre Kaffeemaschine unter den Flammen zu leiden hat und kein Besitzer sich verantwortlich fühlt.

Als der mysteriöse Aiden aus einer der einflussreichsten Drachenreiterfamilien ihr das Angebot macht, seinen Babydrachen Sparky zu trainieren, scheint für Saphira ein Traum wahr zu werden: Sie darf endlich eine engere Bindung zu einem Drachen aufbauen – und dass der gutaussehende Aiden ihr Herz höher schlagen lässt, schadet dabei auch nicht.

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Christina Rain: Magic Drowned in Blood

Lark steht in Mittelpunkt dieser Geschichte, sie ist weder ganz Vampire noch Lark steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, sie ist weder ganz Vampir noch Mensch, fühlt sich nirgendwo richtig und die Menschen in der Uni sehen dies genauso. Ihre Existenz kann keiner erklären. Dann wird sie unerwartet für einen Wettbewerb ausgewählt, bei dem sie zur sogenannten „Schattengeliebten“ eines der beiden Prinzen des Nordens werden soll. Es beginnt ein gefährliches Spiel aus Macht, Intrigen und verborgenen Wahrheiten.

Mit Magic Drowned in Blood legt Christina Rain einen fesselnden Auftakt zu ihrer neuen Dark-Romantasy-Trilogie vor.
Die Geschichte spielt in derselben Welt wie die Knightstone-Academy-Reihe, diesmal jedoch am Nightcastle College in Kanada. Vorkenntnisse sind nicht zwingend notwendig, können das Leseerlebnis jedoch zusätzlich bereichern.
Da ich die andere Reihe nicht kannte, hatte ich besonders zu Beginn das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dadurch fiel es mir anfangs etwas schwerer, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Mit der Zeit habe ich mich dann aber irgendwie hineinlesen können und fand es richtig gut.

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Anthony Ryan: Flut aus schwarzem Stahl: Zeit des Zorns 01

„So ist das Wesen der Sehnsucht … Sie muss keinen Sinn ergeben und plagt einen trotzdem jeden Tag.“ (Seite 89)

Anthony Ryan, bekannt durch seine Dark- und Gritty-High-Fantasy-Trilogien (dt. alle bei Klett-Cotta erschienen), legt mit diesem Roman den Auftakt zu einer neuen Reihe vor. Dieses Mal nutzt er ein Wikinger-Setting als Bühne seines Plots.

Das Leben der Menschen auf den kargen nordischen Inseln ist geprägt von Härte, Not und Kampf. Man hat sich arrangiert, alles geht seinen gewohnten Gang, als ein bislang unbekannter Feind von jenseits der Feuerinseln auftaucht: Dörfer werden überfallen, Bewohner gnadenlos niedergemetzelt, einzelne Menschen verschleppt – zurück bleiben nur verbrannte Ruinen und Leichen.

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Dan Jones: Löwenherzen

Was genau macht einen ganz gewöhnlichen Menschen zu einem „Löwen“? Ist es wirklich das waghalsige Risiko, die blinde Todesverachtung im Rausch einer Schlacht? Oder ist es nicht vielmehr jene stille, zähe Kraft, die uns dazu bringt, über uns selbst hinauszuwachsen? Wahrer Mut hat viele Gesichter, doch am eindrucksvollsten zeigt er sich oft in der vollkommenen Selbstlosigkeit – in dem tiefen Drang, andere, vielleicht Schwächere, mit dem eigenen Leben zu schützen. Oft sind es paradoxerweise gerade die Menschen, die von der Gesellschaft als unbedeutend abgetan werden, die das größte Kämpferherz beweisen. Vielleicht rührt diese Stärke gerade daher, dass sie selbst vom Leben gezeichnet sind und bereits unzählige Schicksalsschläge und Herausforderungen meistern mussten.

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Christian Haller: Einfallende Dämmerung

Paul Bálint feiert seinen achtzigsten Geburtstag gemeinsam mit befreundeten ehemaligen Kollegen in einem kleinen Bistro in Paris. Trotz vieler warmer Worte und herzlicher Umarmungen spürt er an diesem Abend zum ersten Mal, dass er nicht mehr Teil dieser Gemeinschaft ist. Seine Leistung als Forscher bleibt ihm unbenommen, seinen Rat braucht keiner mehr.

Damit scheint sich die Theorie seines Freundes Steinberg zu bestätigen. Dieser teilt das Alter in zwei getrennte Bereiche, zwei Kammern, die des jungen Alters und die des alten Alters. Ist er jetzt also da angekommen, in dieser zweiten Kammer? Bálint spürt, wie sich die Dinge verändern und wie sich Blickwinkel verschieben. Wie sich die Welt um ihn herum irgendwie neu zusammensetzt.

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