Beate Maly: Die Trümmerschule: Jahre der Kinder

Im zweiten Band der kleinen Reihe um die junge jüdische Lehrerin Stella stehen die Schicksale der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt, denen es noch kurz vor Ende des Krieges gelungen ist, vor der Einberufung zu fliehen bzw. der Kinder, die damals in Heimen lebten und Grausamkeiten ertragen mussten, von denen wir kaum eine Vorstellung haben. Inzwischen kommen immer mehr dieser Vorgänge in Heimen – nicht nur in Österreich – ans Licht, aber leider können kaum noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Beispielhaft werden hier die Schicksale zweier Jungen geschildert, die sich zufällig in einem Zug begegnen. Beide auf der Flucht: Günther auf der Flucht vor der Einberufung, Bruno auf der Flucht vor dem Heim. Bruno ist völlig mittellos und läuft im Zug bereits Gefahr, erwischt zu werden, weil er keinen Fahrschein hat. Günther greift ein, zahlt die Fahrkarte, und beide gehen den gefährlichen weiteren Weg gemeinsam.

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Sarah Bestgen: Safe Space

Sadisten, Psychopathen, Serienmörder – die forensische Psychologin Anna Salomon weiß um die dunklen Abgründe der menschlichen Natur. Sie gilt als Ausnahmetalent in der Behandlung von Straftätern und ist bekannt dafür, die undurchdringlichsten Fassaden zu durchschauen. Doch niemand ahnt, was sich hinter ihrer eigenen verbirgt. Denn ausgerechnet in den Mauern eines Hochsicherheitsgefängnisses jagt Anna ihrer ganz persönlichen Heilung hinterher. Auf der Suche nach der Wahrheit ist sie bereit, alles zu riskieren. Nur: Sie ist nicht die Einzige, die ein gefährliches Spiel spielt. Jemand spielt mit – der Einsatz ist Annas Leben.

Wer durchgehende Spannung und viele Wendungen liebt, der ist bei diesem Buch richtig. Von Seite eins an war ich direkt in der Geschichte und konnte das Buch nur noch schwer zur Seite legen, als ich begonnen hatte.

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Margaret Weis & Tracy Hickman: Die Chronik der Drachenlanze: Die komplette Trilogie in einem Band

Es ist lange her, dass High Fantasy – im Fahrwasser von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ – die deutschen Buchhandlungen eroberte. Unter dem damals noch einheitlichen Verlagsnamen Goldmann entstand eine eigene Fantasy-Reihe, die über Jahre zuverlässig Leser und Umsätze generierte. Namen wie Raymond Feist (Midkemia), Patricia McKillip (Erdzauber) oder Terry Brooks (Shannara) standen für phantastische Abenteuer mit epischer Breite. In diese Riege stieß ein Autorenduo vor, das den kommerziellen Nerv der Zeit besonders treffsicher traf – Margaret Weis und Tracy Hickman.

Mit ihren “Dragonlance“-Zyklen übertrugen sie die Dramaturgie einer Pen-and-Paper-Kampagne nahezu unverblümt in Romanform. Die Nähe zu Tolkien war unübersehbar – und wurde dennoch begeistert aufgenommen. Auch von mir, wie ich gerne zugebe.

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Robyn Green: Jonah Goes Off Script

Jonah Penrose schwebt auf Wolke sieben. Ihm ist mit seiner Darstellung des AJonah Penrose schwebt auf Wolke sieben. Mit seiner Darstellung des Achill im Stück The Wooden Horse ist ihm endlich der Durchbruch gelungen. Er gewinnt einen renommierten Preis und wird gefeiert – doch dann macht plötzlich sein Freund mit ihm Schluss. Und als wäre das nicht schon genug, tritt auch noch jemand Neues dem Ensemble bei: Dexter Ellis. Der Dexter Ellis, der die Rolle des Achill einst uraufgeführt und geprägt hat. Der Dexter Ellis, der Jonah seinen Platz als erfolgreicher, aufstrebender Schauspieler streitig machen will. Der Dexter Ellis, den Jonah so nervtötend wie attraktiv findet – und der ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will …

Einen großen Teil des Buches nimmt die Geschichte um Jonahs Vater ein. Geschildert werden seine Erkrankung und wie schwer die Situation für die ganze Familie ist. Das bildet eine interessante Abwechslung zu der Liebesgeschichte, die auf mich nicht wirklich authentisch wirkt.

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Elke Becker: Die Erfinderin der Freiheit

Der Glaube an den Fortschritt und sich selbst, daran, dass man etwas erreichen kann, wenn man nicht aufgibt. Dass man große Träume verwirklichen kann. Der stetige Kampf gegen die Dominanz der Männer in der Gesellschaft, die Rückschläge, die Frauen immer wieder hinnehmen mussten, die alltäglichen Probleme, die es so schwer machten, den Glauben an sich selbst und eben sich selbst nicht aufzugeben. Das sind die Themen, die hier in diesem historischen Roman um vier junge Frauen, die jeden Tag kämpfen müssen, um ihre Wohnung bezahlen zu können, sich in ihrem Job zu beweisen und dabei nicht vergessen, dass sie Träume haben, die sie verwirklichen wollen, behandelt werden. Christine und ihre Freundinnen Julia, Lotta und Amalie stehen im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der Fakten und Fiktionen gekonnt und spannend zu einer Geschichte spinnt, die uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dresden führt.

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Richard Price: Lazarus Man

Zu Beginn versucht ein Mann in einer Bar in East Harlem, New York, mit einer Frau anzubändeln, was ihm misslingt, nicht nur, weil er zu durchsichtige Lügengeschichten erzählt.

Dann kollabiert ein fünfstöckiges Mietshaus und reißt die Nachbarschaft aus dem Schlaf; sechs Menschen sterben, weitere werden vermisst. Das Unglück verändert das Leben im Viertel und insbesondere das Leben vier seiner Bewohner.

Felix Pearls Alltag besteht darin, sein Viertel zu filmen und Fotos zu machen, willkürlich und zufällig. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Momentan verdient er ein paar Dollar mit Aufnahmen für das Grünflächenamt.

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V.V. Ganeshananthan: Der brennende Garten

Von 1983 bis 2009 wurde Sri Lanka von einem Bürgerkrieg gebeutelt. All das damit verbundene Leid schildert V. V. Ganeshananthan schonungslos ehrlich und menschlich zugleich aus den Augen einer Frau. Für diesen Roman wurde die Autorin 2024 unter anderem mit dem „Woman’s Prize for Fiction“ ausgezeichnet. Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite tief berührt. Und das erschreckende Parallelen zu heutigen Konflikten und (Bürger-)Kriegen aufkommen lässt.

Sashi ist 16 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern und den vier Brüdern in Jaffna, einer Stadt in Sri Lanka. Sie gehört zur Bevölkerungsgruppe der Tamilen, die hauptsächlich im Norden und Osten der Insel ansässig ist. Die Tamilen bilden eine Minderheit im Vergleich zu den Singhalesen, welche 75 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie wollen ihren eigenen Staat, es brodelt unter der Oberfläche. Doch Sashi beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen. Verliebt in ihren klugen Nachbarsjungen, möchte sie Medizin studieren. Dass die Bibliothek von Jaffna nach Ausschreitungen von der singhalesischen Polizei niedergebrannt wird, zeichnet sich bereits als böses Omen ab. Noch ist Sashi zu jung, um zu begreifen, auf welche Katastrophe ihr Land zusteuert.

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Ella Lindberg: Books & Coffee: An Wunder muss man glauben

Ein unterhaltsamer, leichter Wohlfühlroman, den man so wegliest, ohne viel denken zu müssen. Tut auch mal gut. Locker geschrieben, authentische, sympathische Figuren und eine Story, von der man sich wünscht, das Leben wäre manchmal so. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die gerade vor den Scherben ihres bisherigen Lebens steht – Job weg, Freund weg, WG-Zimmer weg – und keine andere Lösung weiß, als nach Hause zurückzugehen und Unterschlupf bei den Eltern im ehemaligen Kinderzimmer zu suchen. Fürs Erste. Wie das so ist mit Provisorien, sind sie häufig sehr haltbar, so auch in Emilias Fall. Ohne konkrete Pläne für die Zukunft lässt sie sich zunächst mehr oder weniger treiben. Sehr zum Missfallen der zielstrebigen und für ihre Tochter ehrgeizigen Eltern. Mit einem Job im Secondhand-Laden ihrer Tante fängt sie erst mal an.

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C. K. McDonnell: Ring the Bells

Die ach so besinnliche Weihnachtszeit ist auch in Manchester angebrochen. Die ach so besinnliche Weihnachtszeit ist auch in Manchester angebrochen. Selbst – man glaube es kaum – in der Redaktionstube der „Stranger Times“ kommt so etwas wie eine feierliche Stimmung auf – nun ja, nicht wirklich.

Die letzte Ausgabe des Jahres soll für den Druck vorbereitet werden, als ein fieser PC-Virus plötzlich alle Computer lahmlegt. Dann meldet sich die Ururenkelin von Manny. Seine demente, im Sterben liegende Tochter ruft nach ihrem Daddy – doch der Engel, mit dem sich Manny den Körper teilt, will oder kann das Gebäude nicht verlassen.

Das ist allerdings noch lange nicht das Schlimmste!

Eine Leserunde, angeführt von einer stellvertretenden Bibliothekarin der Uni-Bibliothek, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die als Hexen verunglimpften weisen Frauen wieder auferstehen zu lassen. Was zunächst Erfolge feiert, führt schließlich dazu, dass in einem dunklen, blutigen Ritual der Schleier zwischen den Dimensionen aufgerissen wird und ein uralter, längst vergessener Gott Manchester betritt.

Zalas, so der Name des Wesens, verfolgt seine ganz eigenen Pläne – doch zunächst braucht er Gläubige, die ihm durch ihre Anbetung Macht verleihen. Als er in einem „komischen Kasten“ auf eine gewisse Taylor Swift und ihre fanatischen Anhänger stößt, weiß er sofort, dass er diese Frau übernehmen muss. Dumm nur, dass Taylor gerade nicht in Manchester ist.

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Ellen Berg: Gibt’s das auch mit Liebe?

Wie soll man über „nachhaltige Romantik“ schreiben, wenn man mit dem Kapitel definitiv abgeschlossen hat? Unmöglich, oder? Vor genau dieser Frage steht Laura gerade. Erfolgreiche Redakteurin eines Lifestyle-Magazins für Frauen, die keine anderen Probleme zu haben scheinen als ihr Aussehen, ihr Outfit, ihr Haus, ihr Auto, ihren Urlaub! Laura, „geschiedener Single mit Dating-Frust“, hat mit all dem für sich abgeschlossen. Jahrelang hat sie Fotos gefakt, bevor sie sie in den sozialen Medien gepostet hat, nur um einem Mann zu gefallen, der es – wie sie inzwischen erkannt hat – überhaupt nicht wert war! Sie war sogar mit Joe verheiratet!! Wie verblendet kann man sein?? Oder verblödet? Jetzt jedenfalls ist Schluss mit lustig. Laura will das nicht mehr. Sie will nur noch traurig sein, sich verkriechen und von der Welt nichts mehr sehen als ihre schicke Wohnung, ihr Sofa, Taschentücher und vielleicht Rotwein. Ausgerechnet jetzt wird sie von ihrem Chef mehr oder weniger dazu verdonnert, eine Auszeit zu nehmen! Er hat auch schon alles arrangiert. Ausgerechnet mit Vivi, Lauras Schwester, hat er sich verbündet, damit Laura ein paar Wochen zu ihr auf den Biohof kommt und wieder zu sich kommt! Tolle Idee! Außerdem erwartet er einen ausführlichen Artikel von ihr über nachhaltige Romantik. Die Umgebung, in der Vivi lebt, scheint ihm absolut geeignet, ausgerechnet zu diesem bescheuerten Thema recherchieren zu können. Mehr widerwillig und weil Marc eben ihr Chef ist, setzt Laura sich dann doch in den Zug Richtung Pampa.

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