Andreas Winkelmann: Moorland: Die Zwillinge

Der Krimi handelt von dem spurlosen Verschwinden der 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana im nebligen Moor. Nach einer erfolglosen Suche liefert eine zurückgelassene Kamera den ersten Hinweis.

​Die Ermittlungen von Kommissarin Malia Gold nehmen an Fahrt auf, als plötzlich verstörende Bilder von Jana auf TikTok auftauchen. Bei der Suche nach den Mädchen stößt Malia auf eine Mauer des Schweigens in der Dorfgemeinschaft.

Ein absoluter Pageturner, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat! Wer auf der Suche nach einem atmosphärischen Thriller mit hohem Suchtfaktor ist, wird hier definitiv fündig.

​Das absolute Highlight ist das Setting: Die düstere Moorlandschaft wird so bildhaft beschrieben, dass man die beklemmende Atmosphäre förmlich spüren kann und das Gefühl hat, als sei man direkt vor Ort. Besonders toll fand ich, dass der Autor faszinierende Fakten und Infos über das Moor in die Story eingeflochten hat. Man amüsiert sich also nicht nur bestens, sondern lernt ganz nebenbei noch etwas dazu – eine perfekte Mischung aus Wissen und Nervenkitzel.

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Katja Maybach: Zwei Frauen

Ein interessanter Roman über die Freundschaft zweier Frauen aus ganz unterschiedlichen Welten. Eine Freundschaft, die ihr jeweiliges Leben prägt und verändert.

Hannah und Julie sind beide noch sehr jung, Anfang zwanzig, als sie sich zufällig in der Kanzlei von Julies Ehemann begegnen. Der Anwalt und Notar regelt die Überschreibung des elterlichen Hofes auf Hannah, nachdem ihr Bruder nach dem Tod des Vaters beschlossen hat, eigene Wege zu gehen und das Handwerk des Schusters zu erlernen. Er hat kein Interesse am Hof, steht Hannah aber natürlich zur Seite, wenn sie ihn braucht. Hannah kann zum Beispiel weder lesen noch schreiben. Im Dorf wird die Entscheidung des Bruders, Hannah den Hof zu überlassen, als Skandal betrachtet. Es geht einfach nicht an, dass eine Frau alleine einen Hof bewirtschaftet und alle Entscheidungen trifft. Anfang des 20. Jahrhunderts undenkbar! Vor allem eben in einem kleinen Dorf.

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Kim Leopold: The Calmest Kind of Storm

Noemi führt ein geheimes Doppelleben als erfolgreiche Romantasy-Autorin Isla Golding. Als sie verkleidet auf Lesereise geht, trifft sie ausgerechnet auf ihren Hörbuchsprecher – den Mann, mit dem sie vor Jahren zwei heiße Nächte verbrachte. Das Problem? Er erkennt sie unter der Maske nicht … Ein genialer, spannender Einstieg in ein unvergessliches Abenteuer!

Ich habe schon die anderen Bände der Reihe geliebt. Es ist keine klassische 08/15-Romance-Geschichte, wie man sie im Moment häufig unter die Finger bekommt. Für mich war schnell klar: Diese Geschichte wird zu einem Highlight und hat mir am besten aus der Reihe gefallen.

Das Buch greift auch ernstere Themen auf, wie mentale Belastung und Selbstfindung. Das gibt dem Ganzen einen tiefgründigen Kern, der begeistert.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm flüssig und greifbar zugleich. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wodurch das Buch viel zu schnell vorbei war. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Savio und Noemi erzählt, was sehr positiv ist, da man so besser in die Gedankenwelt der beiden eintauchen kann und ihre Handlungen so mehr und mehr verstehen lernt.

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Anett Diell: Das Zimmermädchen vom Adlon

Die Goldenen Zwanziger Jahre in Berlin – das ist der Rahmen, in den „Das Zimmermädchen vom Adlon“ uns entführt. Die Zeit der Weimarer Republik war geprägt durch politische und soziale Probleme, Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg, Arbeitslosigkeit und Hunger. Dazu kam eine seit 1914 ständig steigende Inflation, die 1923 schließlich zu einer Hyperinflation führte, bei der ein Brot schon mal eine Milliarde Mark kosten konnte. Erst mit Einführung der Rentenmark konnte die Inflation gestoppt werden.

In dieser Zeit wird Irabella Keller, genannt Ira, 1921 Zimmermädchen im damals schon berühmten Hotel Adlon. Das war immer ihr Traum, jetzt wird er wahr. Mit ihrer offenen, freundlichen Art wird die zupackende Ira bald zum „frischen Wind“ im Hotel, beliebt bei Kolleginnen und Kollegen ebenso wie bald auch bei Hedda Adlon, der zweiten Ehefrau von Louis Adlon, dem Generaldirektor. Hedda entdeckt, dass in Ira viel mehr steckt als ein gewissenhaftes Zimmermädchen, dem nichts zu viel ist. Sie bittet sie bald um Rat und Ideen, die beiden freunden sich an, soweit Irabella das zulässt. Ira ist eine starke junge Frau, die auf ihrer Eigenständigkeit beharrt, die sich nicht abhängig machen will von nichts und niemandem, die sich verschließt, wenn man ihr zu nahe kommt und nur sehr wenige Menschen ihre wirklichen Freunde nennt.

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Karen Sander: Die Tiefe: Verloren

Im letzten Teil der Trilogie Die Tiefe von Karen Sander beginnt für Mascha Krieger und Tom Engelhardt, dem Ermittlerduo und jetzt offiziellen Paar, ein Wettlauf mit der Zeit. Allmählich glauben sie zu wissen, wer hinter den brutalen Serienmorden steckt. Nur eines wissen sie jedoch mit Gewissheit, es befinden sich noch weitere Menschen in Gefahr.

Die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander hat inzwischen eine neue Geschichte abgeschlossen, in der mysteriöse Todesfälle im oder an Gewässern im Zentrum der Ermittlungen stehen. Dieses Mal geraten nicht nur die Ermittler selbst in lebensgefährliche Situationen. Ein als Warnung gedachtes Attentat zeigt Tom, dass die komplexe Mordserie auch auf seine persönliche Ebene gezogen worden ist. Wie soll man seine professionelle Distanz im Arbeitsalltag behalten, wenn das Leben der Liebsten bedroht ist?

Wie auch in ihren früheren Thrillern arbeitet Karen Sander mit verschiedenen Perspektiven, die jeweils ihren Anteil an der großen Geschichte haben. Aus den Nebenschauplätzen entsteht ein Puzzle, das erst im dritten Teil ein ganzes Bild ergibt. Cliffhanger und unterschiedliche Akteure sorgen dabei für eine abwechslungsreiche Lektüre.

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Ingar Johnsrud: Blendfeuer

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der nun bereits in sein viertes, zermürbendes Jahr geht, hat die geopolitische Architektur Europas grundlegend erschüttert und prägt das Schicksal eines ganzen Kontinents. Es ist eine unerbittliche, fast schon zynische Realität, der sich die internationale Gemeinschaft stellen muss: Ohne den beständigen, wenn auch immer wieder politisch umstrittenen Strom an Waffenlieferungen und logistischer Unterstützung aus den europäischen Staaten und den USA wäre die ukrainische Verteidigungslinie wohl längst unter der schieren Masse der russischen Übermacht kollabiert. Zurück bliebe nicht nur ein zerschmettertes, seiner Souveränität beraubtes Land, sondern auch eine noch viel längere, unerträgliche Liste an Opfern. Dieser Abnutzungskrieg fordert nicht nur einen immensen Blutzoll unter den Soldaten beider Seiten, sondern schlägt tiefe, über Generationen hinweg spürbare Wunden in der Zivilbevölkerung.

Zu den dunkelsten und grausamsten Kapiteln dieses Konflikts – ein Aspekt, der auf fatale Weise an die dunkelsten Epochen der europäischen Geschichte erinnert – gehört die systematische Verschleppung von schätzungsweise 20.000 ukrainischen Kindern. Entrissen aus ihrem familiären und kulturellen Umfeld, sollen sie tief im russischen Hinterland durch gezielte Adoptionen in regimetreue Familien ummerzogen und ihrer Identität beraubt werden. Ein derartiges Vorgehen markiert nicht nur eine humanitäre Tragödie, sondern wird von den Vereinten Nationen unmissverständlich als Kriegsverbrechen gebrandmarkt. Es war genau diese systematische Deportationspolitik, die den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu dem historischen Schritt veranlasste, Wladimir Putin offiziell als Kriegsverbrecher einzustufen und mit einem Haftbefehl zu belegen.

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Lea Gerstenberger: Der Gesang des Falken

Ein historischer Roman, der einen guten und durchaus interessanten Einblick gibt in das höfische Leben in Frankreich zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als Anne Boleyn als etwa 12-jährige junge Adlige als Ehrenmädchen an den französischen Hof kommt und sich dort sehr bald positiv hervortut.

Der Covertext hebt Anne Boleyn zwar als bedeutend hervor: „Anne Boleyn schrieb in England Geschichte. Doch ihr Charakter wurde in Frankreich geformt.“, im Roman selbst spielt sie zwar eine wichtige Rolle, aber eher eine Nebenrolle neben Marcelle de Saint-Séverin, der Tochter des Großstallmeisters, die ebenfalls als Ehrenmädchen im Hofstaat der späteren Königin lebt.

Ich hatte erwartet, ein bisschen mehr über den Weg der Anne Boleyn vom französischen Hof, den sie 1522 verlassen musste, um in England Hofdame am Tudor-Hof zu werden, bis hin zu ihrer Vermählung mit König Heinrich VIII., dessen zweite Ehefrau sie wurde und der sie wegen Hochverrats und vorgeblichen Ehebruchs am 19. Mai 1536 enthaupten ließ. Davon erfährt man in diesem Roman leider nichts. Insofern fand ich den Satz auf dem Cover etwas unzutreffend.

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Ana Lane: Mornings in Boston: The story we tell, The Truth We Hide & The Games We Play

Hier handelt es sich um eine Trilogie, die unter dem Titel Love on Air im LYX Verlag erschienen ist und besonders durch die wunderschön gestaltenden Cover ins Auge fällt.

Mornings in Boston 1 erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Journalistin Penelope Sanderson, die als Co-Moderatorin einer quotenstarken Frühstücksshow den Karrieresprung schafft. Ihr Erfolg wird jedoch durch ihren attraktiven Co-Moderator und bekannten Playboy Connor Kingsley getrübt, der ihr von Beginn an das Leben schwer macht. Trotz der Sabotageversuche lässt sich Penelope nicht unterkriegen, während gleichzeitig eine unerwartete emotionale Nähe entsteht, da Connor sie besser zu verstehen scheint als jeder andere.

Der erste Band der Reihe hat es schon emotional in sich. Es bietet von Seite eins an eine großartige Liebesgeschichte und hat alles was man sich von einem Buch dieses Genres wünscht: Knistern, Dynamik, eine Prise Humor und zwei starke Charaktere auf Augenhöhe.

Das Setting in der teils stressigen Welt des Fernsehens ist erfrischend und bringt seine ganz eigene Dynamik in die Handlung mit ein. Man erfährt auch mal hinter den Kulissen was so alles abgeht.

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Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod

Den Briten ist Peter Grainger längst ein Begriff. Seine im Selbstverlag erschienenen Kriminalromane fanden begeisterte Leser. Nun veröffentlicht der Diogenes Verlag in diesem Jahr drei seiner Bücher. Erfreulicherweise.

Kürzlich hatte ich angemerkt, dass Ermittler heutzutage nicht ohne schwerwiegende psychische Schäden und persönliche Dramen auskommen, die bisweilen einen zu großen Teil der Erzählung ausmachen und vom eigentlichen Fall ablenken. In dieser Hinsicht ist Graingers Hauptfigur David „DC“ Smith so alltäglich wie sein Name, fast schon altmodisch. Und dennoch ist er ein echtes Unikum. Wir erfahren im ersten Band natürlich noch nicht alles über seinen Hintergrund. Er lebt allein, seit seine Frau gestorben ist, um die er immer noch trauert. Er missachtet schon mal die Vorschriften, kommt nicht mit allen Kollegen klar, hat dennoch viele Freunde, spielt Gitarre, und hat eine Vorliebe für ironische Bemerkungen und unerwartete Kommentare. Ein Typ mit Ecken und Kanten, ein sympathischer Eigenbrötler, aus dem ganz normalen Leben gegriffen. Eine echte Identifikationsfigur.

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Elena Fischer: Wirf einen Schatten

Einsamkeit und Stille haben sich im Haus und in Josephs Innerem ausgebreitet. „Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.“ (eBook S. 10).

Die Geschichte spielt Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre, einer Zeit, die  von einem anderen Takt und anderen Werten bestimmt war.

Nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat, sieht Joseph keinen Sinn mehr im Leben. 

Bislang ist Josephs Tagesablauf davon geprägt, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Das war schon bei den Eltern so. Platz für andere Gedanken bleibt keiner. Über Belastendes zu reden hat er nie gelernt. So hat er sich auch nie mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit auseinandergesetzt. Immer noch bedrückt ihn ein tragisches Unglück aus seiner Kindheit. Gerade rechtzeitig steht die junge Birdie mit all ihren Problemen vor seiner Tür. Er nimmt Birdie auf und versucht ihr zu helfen. Auch zu Ada, der Schwester seiner Frau, findet Joseph wieder Zugang. Es wird ein langer Prozess für Joseph, sich mit allem Geschehen auseinanderzusetzen und neue Gedanken zu fassen.

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