Anne Herzel entführt erneut in die geheimnisvollen Katakomben unter London und erzählt diesmal die Vorgeschichte von Phoebe Ellis, einer Figur, die Leserinnen und Leser aus der Dilogie bereits kennen, nun jedoch aus völlig neuer Perspektive erleben.
Inhaltlich beginnt der Roman mit einer siebzehnjährigen Protagonistin, die sich nach familiären Enttäuschungen und weitgehend auf sich allein gestellt ihren Lebensunterhalt verdient, indem sie illegal in die Tiefen unter London hinabsteigt, Artefakte und andere Fundstücke birgt und an der Oberfläche verkauft. Schon dieser Einstieg verbindet Abenteuer und soziale Härte miteinander.
Ein Wendepunkt wird erreicht, als Phoebe bei einem ihrer Streifzüge nicht nur entdeckt wird, sondern nach einem folgenschweren Zwischenfall in Kontakt mit den sogenannten Mudlarks kommt. Unter deren Gründer und Anführer Greyson Evans hat sie die Wahl zwischen Strafe und einem Platz innerhalb dieser Gemeinschaft – und wird damit zur ersten weiblichen Mudlark. Von hier an entfaltet sich eine Geschichte, die Ausbildung, Überlebenskampf, Entdeckungsreise und Machtgeschichte zugleich ist.
Ein großer Reiz des Romans liegt in der fortschreitenden Erkundung der Unterwelt. Die Katakomben werden nicht nur als labyrinthartiges Höhlensystem beschrieben, sondern als eigenständige, fremdartige Welt mit unbekannten Lebensformen, einem komplexen Ökosystem und einem verborgenen Volk, das tief unter London existiert. Im Verlauf treten albtraumhafte Kreaturen, politische Spannungen und zunehmende Konflikte zwischen den Bewohnern dieser Welt und den Eingriffen der Menschen in den Vordergrund. Aus einer anfänglichen Entdeckungsgeschichte entwickelt sich so zunehmend ein Roman über Macht, Eroberung, Verrat und Zerstörung.
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