Josephine Johnson: Ein Jahr in der Natur (1969)

Josephine Johnson wurde 1910 in Missouri geboren und verstarb 1990 in Ohio. Mit gerade 24 Jahren wurde ihr 1924 der Pulitzer-Preis für ihren Debütroman Die November-Schwestern verliehen.

Bereits Ende der sechziger Jahre, als Josephine Johnson „Ein Jahr in der Natur“ geschrieben hat, störte sie sich an Ausbeutung und Ungleichheit der Welt; sie empfand alles Leben wider die Natur. So betrachtete sie es als dringlich und notwendig, die Natur zu schützen und die Welt um sie herum zumindest schriftlich aufzuzeichnen und damit festzuhalten.

In „Ein Jahr in der Natur“ thematisiert Johnson ihr Leben in Ohio auf dem Grund einer einsamen, unbewirtschafteten Farm. Johnson bezeichnet ihr bewaldetes Stück Land mit den zwei Bächen und den kleinen Schluchten als ihr Lebenselixier. Ihr Ziel ist, dieses Stück Natur sich selbst zu überlassen, damit die Wildnis zurückkomme und sich ein Naturschutzgebiet entwickeln kann.

Weiterlesen

Julia Wolf: Du, hier – Stories

Julia Wolf (Jahrgang 1980) ist Autorin und Übersetzerin z.B. für die Kurzgeschichten „Stories 2“ und den Roman „In der Gnade“ von Joy Williams oder den Roman „Umlaufbahnen“ von Booker-Prize-Trägerin Samantha Harvey, die wir auch hier besprochen haben. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Heute erscheinen ihre „Stories“ unter dem Titel „Du, hier“ bei dtv.

In „Du, hier“ erzählt Julia Wolf Geschichten von Frauen

Julia Wolf hat elf Kurzgeschichten geschrieben, deren Hauptfiguren überwiegend Frauen um die vierzig sind. Wie in der ersten Geschichte „Pfirsich, Tropfen, Faust“, in der die Protagonistin den zweiundvierzigsten Geburtstag ihrer Freundin in einer Bar feiert und spät abends oder früh am Morgen betrunken und angeschlagen nach Hause kommt und in das Gitterbettchen ihrer Tochter klettert.

Weiterlesen

Karen Sander: Die Tiefe: Versunken

Mit dem Ermittlungsduo Tom Engelhardt und Mascha Krieger geht die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander in die dritte Runde für eine weitere Serie an der Ostsee, die den Titel Die Tiefe trägt. Der erste Teil der neuen Serie mit dem Untertitel Versunken beginnt wieder in dem fiktiven Ort Sellnitz. Räumlich und zeitlich nah werden Menschen ermordet. Die Suche nach Motiven und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Opfern beginnt. Und wieder treffen bekannte Charaktere aus den vorherigen Büchern aufeinander. Manche von ihnen sind untereinander verfeindet und intrigieren aus persönlichen Gründen. Tom, Mascha und ihre jeweiligen Ermittlungsteams stehen unter Zeitdruck und werden zum Spielball der Presse und vermutlich verschiedener Täter.

Für Mascha beginnen schwierige Zeiten. Dies liegt unter anderem an dem rachsüchtigen Stiefbruder Holger, ihrem neuen Ermittlungsleiter. Holger weiß offenbar, wer Maschas Mutter ist. Aber er schweigt und lügt in Absprache mit dem gemeinsamen Vater. Ohne den Grund zu wissen, entwickelt sich Maschas private Recherche nach ihrer unbekannten Mutter zu einem gefährlichen Unterfangen.

Weiterlesen

Arno Strobel: Welcome Home

Im Mittelpunkt dieses Thrillers steht das Haus, das viel mehr als ein Schauplatz sein wird. Es vermittelt Angst und Manipulation. Ines und Marco Winkler sind überglücklich, ihr neues Heim betreten zu können. Eines Nachts wacht Ines auf und hat das Gefühl, beobachtet zu werden, aber da ist niemand, wie sie feststellen muss, als sie die Augen aufschlägt. Kurz darauf glaubt sie, im noch leeren Nachbarhaus einen Schatten zu sehen. Sie schiebt es auf den Umzugsstress, dass sie sich Sachen einbildet. Doch dann wird ein Mensch umgebracht, und sie weiß: Den Schatten hat sie sich nicht eingebildet.

Der Einstieg in das Buch gelang schnell, die Atmosphäre ist passend, und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Beim Lesen hatte ich eigentlich durchgehend ein ungutes Gefühl im Bauch, die Spannung war teils fast nicht auszuhalten. Es geht weniger blutig her, dafür gibt es aber eben den gut aufgebauten Spannungsbogen, wenn es teils auch ein wenig zu oberflächlich war.

Weiterlesen

Darcy Coates: The Whispering Dead: Gravekeeper Band 01

Ganz nett

Und genau das ist leider das Problem. Ich wollte dieses Buch mögen. Wirklich. Denn obwohl alles da ist – Friedhof, Geister, düstere Atmosphäre, geheimnisvolle Protagonistin – bleibt „The Whispering Dead“ für mich zu vorhersehbar und austauschbar. Eher wie eine gemütliche Mystery-/Gruselgeschichte für Jugendliche.

Kieras Fähigkeit, Geister zu sehen, hätte bei mir eigentlich ein faszinierendes Kribbeln auslösen sollen, wirkt aber überraschend leblos und fühlt sich wie ein bekanntes Horror-Template an.

Slow Burn? Ja. Spannend? Nein. Gruselig? Auch nicht wirklich. Stattdessen weichgespült. Die Figuren wirken unreif, die Dialoge oft kitschig, die Handlung plätschert. Ich bin durch die Seiten gegangen, aber nie wirklich drin gewesen. Es bleibt nichts hängen. Keine Neugier auf Band 2, kein inneres „Ich muss wissen, wie es weitergeht“.

Weiterlesen

Linus Geschke: Das Camp

Spannend, packend, neugierig machend auf die Fortsetzung, dank eines – wie schon im ersten Teil – offenen Endes. Tolle, starke Charaktere mit Ecken, Kanten und einem weichen Kern.

Im zweiten Teil der „Donkerbloem-Trilogie“, „Das Camp“, steht die Hamburger Kriminalkommissarin Frieda Stahnke im Mittelpunkt, die schon im ersten Teil, „Der Trailer“, eine wichtige Rolle gespielt hat. Die schrecklichen Ereignisse, die sie damals nach Camp Donkerbloem geführt hatten, wo sie auch den eigensinnigen Kölner Barbesitzer Wout, der nach wie vor gerne auch mal ein paar „kleine Geschäfte“ nebenher macht, seine Untermieterin Kathinka, IT-lerin, die nach wie vor versucht, den Mord an ihrer Schwester Julia endlich aufzuklären, und Tayfun, den ehemaligen Boxer und Wouts guten Freund, kennengelernt hat, sind zwar Vergangenheit, aber vergessen hat sie keiner der vier.

Weiterlesen

Hafsah Faizal: A Steeping of Blood: Blood & Tea 02

Mit „A Steeping of Blood“ liefert Hafsah Faizal den fulminanten Abschluss ihrer „Blood & Tea“-Dilogie. Uns erwartet ein Roman, der die ruhige Eleganz von Teestuben aus dem ersten Teil gegen politische Intrigen, düstere Enthüllungen und explosive Emotionen eintauscht. Was in „A Tempest of Tea“ als atmosphärisches Gauner-Abenteuer begann, verwandelt sich vorliegend in ein tief emotionales, vielschichtiges Finale, das seine Figuren ebenso herausfordert wie seine Leserinnen und Leser.

Die Ereignisse setzen unmittelbar nach dem verheerenden Ende des ersten Bandes ein. Arthie Casimir, ihr Bruder Jin und die restliche Crew stehen vor den Scherben einer Stadt, die ins Chaos gestürzt wurde. Das Aufdecken der wahren Identität des Widders – des Monarchen von Ettenia – hat die Machtverhältnisse verschoben, nur leider nicht unbedingt zu ihren Gunsten. Zudem verschwinden immer mehr Menschen scheinbar spurlos. Die Schuld wird den Vampiren zugeschoben. Auch alte, einst felsenfeste Loyalitäten drohen endgültig zu zerbrechen.

Weiterlesen

Susanne Lieder: In der Liebe wollen wir frei sein

Gerade mal gut fünfzig Jahre sind im Rückblick keine lange Zeit, aber wenn man sich in Erinnerung ruft, was sich in den letzten 50, 55 Jahren gerade für Frauen alles verändert hat, könnte man meinen, man rede von einem lange vergangenen Jahrhundert. Bis Mitte der 1970er-Jahre durften Frauen ja eigentlich kaum etwas selbstständig und alleine für sich entscheiden. Sei es, ein Konto eröffnen, einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, den Führerschein machen, Verträge abzuschließen – all das musste vom Vater oder Ehemann genehmigt werden. Als 1971 in Paris eine viel beachtete Demonstration stattfand, bei der sich Frauen dazu bekannten, abgetrieben zu haben, kam ein Stein ins Rollen.

Die Journalistin Alice Schwarzer, die damals als Korrespondentin in Frankreich gearbeitet hat, hatte sich dieses Themas angenommen und diese Demonstration initiiert. In der Folge erschien ein ebenso aufrüttelnder Artikel von ihr zu diesem Thema im „Stern“. Das Titelblatt mit den Fotos von prominenten und anderen Frauen, die offen erklärten „Wir haben abgetrieben“ und sich damit strafbar machten, haben viele bestimmt noch in Erinnerung.

Weiterlesen

Marcus Kliewer: Die Besucher: Wenn du sie hereinlässt, werden sie nie wieder gehen

Wenn die Realität verrutscht

Du scrollst nachts durch alte Reddit-Threads über urbane Legenden, und plötzlich klopft es an deiner Tür. Nicht aggressiv, sondern höflich, fast peinlich entschuldigend. Die Leute wollen nur mal „kurz reinschauen“.

Genau so fühlt sich die erste Hälfte von „Die Besucher“ an: ein People-Pleasing-Alptraum, gespeist aus Social Anxiety. Jede verschobene Lampe, jedes falsch erinnerte Geräusch, jeder Mandela-Moment lässt dich an deiner Wahrnehmung zweifeln.

Ich mochte auch die found-footage-artigen Paratexte: Forenposts, Archivdokumente, Karten und dieses Gefühl, in etwas Verbotenes reinzurutschen.

Weiterlesen

Lutz van der Horst: Konfettiblues

Ein Roman, den man nicht gelesen haben muss

Wenn jemand, der bereits populär und bekannt ist, ein Buch schreibt, verkauft es sich meist wie von selbst. Da ist es eher zweitrangig, ob der Roman gut geschrieben ist und die Handlung interessant.

Lutz van der Horst, man kennt ihn u. a. aus der „Heute-Show“, ist Comedian, und so liegt es nahe, dass er auch einen komischen Roman schreibt, den der Untertitel als Liebesroman ausweist. Was er durchaus auch ist, handelt er doch von Max, einem verhinderten Comedian, der verzweifelt Engagements sucht und eben auch die Liebe.

Weiterlesen