Dörte Hansen: Broder

„Altes Land“, „Mittagsstunde“ und „Zur See“ sind die Titel, mit denen Dörte Hansen (Jahrgang 1964) zur bekannten deutschen Schriftstellerin wurde. Allen Romanen gemeinsam ist, dass sie in Deutschlands Norden spielen.
Dörte Hansen wurde in Husum geboren und lebt aktuell in Nordfriesland.
Nun ist am 9. September 2026 Hansens mit viel Spannung erwarteter vierter Roman erschienen. „Broder“ wurde im Penguin Verlag veröffentlicht.

„Es zählt nur einer auf dem Hof“ in Dörte Hansens Roman „Broder“
Es ist die Geschichte der Zwillingsbrüder Bahnsen, Henning und Broder, der eine Bauer auf dem Familienhof und der andere Tierarzt, der zunächst das Weite sucht, jetzt aber eine Praxis in der Nähe des Dorfes betreibt. Henning, der ältere, bekam den Hof und alle anderen Geschwister gingen leer aus. Broder ist der mit dem Tierverstand und wollte immer Bauer werden. Jetzt beobachtet er den Betrieb des Bruders und sieht einiges, was ihm nicht gefällt. Hochmoderne Landwirtschaft und Tierhaltung getrimmt auf Leistung und Ertrag. Henning hat den Bahnsen-Hof in die Zukunft geführt. Die Altbauern Paul und Marga wohnen im Altenteilerhaus. Ellen, Hennings Frau mit ihrer „Dorfbegabung“, und Maybritt, die Tochter, arbeiten auf dem Hof mit. Broder kümmert sich als Tierarzt um die Herde. Seine französische Frau Marie-Claude malt und verbringt einige Wochen im Jahr in ihrer Heimat Frankreich. Claire, Broders Tochter, studiert Tiermedizin. Vielleicht wird sie Broders Praxis übernehmen.

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Hallgrímur Helgason: 60 Kilo Sonntage

Mit diesem dritten Bande endet die herrliche Island-Sage von Hallgrímur Helgason, die ihren Protagonisten Gestur vom Jahrhundertbeginn bis in die 1930er Jahre auf den Weg in die Moderne begleitet. Der letzte Band setzt dem aberwitzigen Plot nochmals die Krone auf. Denn Island hat in den 1920er Jahren mächtig zu kämpfen. Als geografisch abgehängte Insel am nordwestlichsten Zipfel Europas, trifft der Fortschritt hier etwas verspätet ein – und prallt auf eine Bevölkerung, die noch an Zaubersteine und Feen glaubt und deren Genpool ein bisschen mehr Diversität vertragen könnte. So misstrauen die mit spärlichem Haarwuchs geschlagenen Isländer beispielsweise allen Männern mit vollem Haar, einem untrüglichen Zeichen dafür, dass es sich um einen Ausländer handeln muss.

Ein köstlicher Kultur-Clash: Island meets Amerika

Die Heringskrise, die Weltwirtschaftskrise und der beginnende Turbokapitalismus machen dem kleinen Inselvolk schwer zu schaffen. Dazu noch diese ärgerlichen „neumodischen“ Erscheinungen wie Kommunismus, Feminismus, Mindestlöhne für Arbeiter und arbeitsfreie Sonntage. Plus allerlei Weibsbild, das anfängt zu dichten und politisch mitzumischen! Am allerschlimmsten sind die Abstinenzler, Männer mit Bildung, die keinen Alkohol trinken! Für die trinkfreudigen Isländer bricht eine Welt zusammen… bevor sich eine neue auftun kann.

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Michael Robotham: Bruderherz

Arlo Hackett wird nach 12 Jahren aus der Haft entlassen und kehrt nach Yulara, einer australischen Kleinstadt, zurück, was die meisten Menschen als großen Fehler bezeichnen würden. Denn Arlo ist alles andere als willkommen, was ihm durchaus bewusst ist. Sein jüngerer Bruder Luke wurde beschuldigt, eine junge Frau (die Stieftochter eines einflussreichen Politikers) vergewaltigt und umgebracht zu haben, und Arlo wurde wegen Beihilfe und Fluchthilfe verurteilt. Für die meisten Bürger Yularas ist er damit ebenso schuldig wie sein Bruder, der sich noch vor dem Prozess das Leben genommen hat.

Doch Arlo hat einen gewichtigen Grund, zurückzukehren: Er will herausfinden, was wirklich geschah in dieser verhängnisvollen Nacht. Und er leidet unter Schuldgefühlen.

Auf dieser Konstellation baut Robotham seine Geschichte auf. Die Bedrohung ist von Beginn an zu spüren, atmosphärisch und handfest: Er wird willkürlich festgenommen, sein Haus wird beschmiert, er wird von Motorradfahrern gejagt. Aber er lässt sich nicht einschüchtern, nimmt die Warnungen und Attacken fast stoisch hin und findet nicht nur zwei mutige Unterstützerinnen, sondern tatsächlich Spuren, die auf Lukes Unschuld hinweisen.

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Franziska Gänsler: Orca

Shortlist Buchpreis 2026:

Mädchen, die sich ein Bild von sich machen, ihr Äußeres unter Einsatz jedes ihnen finanziell nur eben möglichen Mittels und in Kenntnis allerneuester Trends und Marken entsprechend gestalten, ihren Körper mit täglicher Disziplin und nach ausgeklügelten Methoden zu Kraftmaschinen trainieren, bis sie ihrem Bild ähnlich sind:

„Meine Wochen bestanden aus Routinen. Skincare, Haircare, Sport, Zahnaufhellungsstreifen, Maniküre, Pediküre. Ich hatte mir ein solides Wissen zu Bodyweighttraining, Proteinen, Vitaminen, Niacinamiden, Azelain, UVA- und UVB-Strahlung angeeignet, und über Reddit war ich auf etwas gestoßen, das meine Abende in Beschlag nahm: die Suche nach Mirror Replicas – makellos gefälschten Luxusartikeln.“

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Max Bentow: Puppenherz

Mit „Puppenherz“ hat Bestsellerautor Max Bentow einen absoluten Ausnahme-Thriller geschaffen, den man – einmal angefangen – schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen kann. Es ist der dritte Band seiner packenden Reihe um das Berliner Ermittlerteam. Da die einzelnen Fälle jedoch komplett in sich abgeschlossen sind, lässt sich dieses Buch auch ohne jegliche Vorkenntnisse wunderbar lesen.

Der Einstieg in die Geschichte raubt dem Leser sofort den Atem: Eine Frau wird auf bestialische Weise ermordet und von ihrem Peiniger mit einem Hackbeil regelrecht zerstückelt. Am Tatort stoßen die Ermittler Nils Trojan und Carlotta Weiss auf eine makabre und zutiefst verstörende Entdeckung: Eine kleine, weiße Puppe, die komplett aus menschlichen Knochen gefertigt wurde. Ist dies eine grausame Botschaft des Mörders oder ein kryptischer Hinweis?

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Kuhl + Sandrock: Ein Leben zu viel: Juha und Lux vom LKA Hamburg ermitteln

Auch in ihrem dritten gemeinsamen Fall beweisen Juha und Lux, das ungleiche, aber sympathische Ermittler-Duo vom LKA Hamburg, dass sie nicht nur mit Verstand an ihre Fälle gehen, sondern auch mit Empathie.

Für diesen etwas speziellen Fall sind sie eigentlich gar nicht zuständig, sondern eher die Kollegen in Itzehoe, aber dort herrscht ebenso Personalmangel wie in Hamburg. Juha hat gerade noch ziemlich mit dem Jetlag zu kämpfen, als er gebeten wird, zu einer ehemaligen Autobahnraststätte etwas außerhalb von Hamburg zu fahren, weil dort eine männliche Leiche gefunden worden sei. Das Opfer wurde erschossen, alles deutet auf einen Raubmord hin. Lux ist zwar eigentlich auch noch im Urlaub, beendet den dann aber vorzeitig, um Juha zu unterstützen. Außerdem kommt eine Kollegin aus Itzehoe dazu, nachdem der Tote als jemand identifiziert wird, der auf einem Dorf gelebt haben soll. Es soll sich um Sören Petersen handeln, den Lebenspartner der Frau, die ihn identifiziert hat.

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Cornelia Funke: Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen

Die erfolgreichste deutschsprachige Kinderbuchautorin, Cornelia Funke, ist von Haus aus Illustratorin. Zum Schreiben ist sie genau darüber gekommen – weil ihr die Bücher, denen sie Bilder schenken durfte, nicht gut gefielen, begann sie, ihre eigenen zu verfassen.

Mit dem Titel „Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen“, der im Kunstanstifter Verlag erschienen ist, kehrt sie zurück zu ihrem Ursprung und malt – und zwar beinahe ausschließlich. Ganz ohne Worte zu nutzen, entführen die zehn großformatigen Bilder in magische Welten voller Details, die man stundenlang betrachten kann. Bilder zum Verlorengehen, wie es schon auf dem Einband heißt. Einige der Welten sind neu und unbekannt; in anderen tummeln sich Gestalten aus Funkes anderen Büchern.

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Matt Dinniman: Operation Bounce House: Kampf um New Sonora

Vor 200 Jahren brachen die Generationsschiffe von der Erde in die Weiten des Alls auf. Ihre Mission: der Menschheit neuen Lebensraum zu erschließen. Damals wurde nach 133 Jahren Flug auch New Sonora besiedelt; vor einigen Jahrzehnten erfolgte die Wiederanbindung an die Heimat via Transfertor, dem sogenannten Nadelöhr.

Der junge Farmer Oliver Lewis lebt hier und erwartet immer noch das einst verheißene goldene Zeitalter, das nach der Wiederanbindung an die Erde eigentlich anbrechen sollte. Stattdessen erklärt die Erdregierung die Kolonisten zu Terroristen und beauftragt den Megakonzern Apex Industries mit ihrer „Räumung“.

Apex macht daraus, nicht dumm, ein Geschäft. Wohlhabende Spieler auf der Erde dürfen eigene Kampfroboter entwerfen und diese per Fernsteuerung gegen die „Terroristen“ einsetzen. Die Invasion wird als spektakuläres Online-Spiel vermarktet – „Operation Bounce House“.

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Linda Schipp: Guilty Pleasure

Fünf einander völlig fremde Menschen reisen in das berüchtigte Luxushotel, um ihrem tiefsten, oft illegalen Begehren freien Lauf zu lassen. Sie wiegen sich in absoluter Sicherheit, geschützt durch die Mauern der Isolation und das Versprechen totaler Verschwiegenheit. Was sie jedoch nicht ahnen: Das gesamte Hotel ist mit einem hochmodernen Kamerasystem ausgestattet. Und es kommt noch schlimmer, als es sich jeder von ihnen in seinen schlimmsten Albträumen hätte ausmalen können. Dieses System zeichnet die Ereignisse nicht bloß auf – es streamt sie live. Als unzensierte Reality-Show. Direkt ins Internet, zugänglich für die ganze Welt. Da das Hotel komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist, kann niemand die Gäste kontaktieren. Niemand kann sie warnen oder aufhalten. Während die Welt geschockt zusieht, sind die fünf Protagonisten im Begriff, vor laufender Kamera entsetzliche Verbrechen zu begehen. Die Schlinge zieht sich unaufhaltsam zu.

Die Geschichte nimmt extrem schnell an Fahrt auf und wird überraschend schnell sehr brutal. Die Machenschaften der fünf Fremden entwickeln sich deutlich blutiger, als man es zu Beginn vermuten würde. Unterstützt wird dieses Treiben von einer permanent düsteren, fast schon beklemmenden Atmosphäre. Das Setting der einsamen Insel funktioniert hier wunderbar und transportiert das Gefühl des Ausgeliefertseins perfekt.

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Julie Caplin: Das kleine Landhotel in Portugal

Auch wenn das kleine idyllische Landhotel „Quinta do Mar“ rein fiktiv ist, so hat sich die Autorin doch von einem real existierenden Wohlfühlhotel an der Algarve inspirieren lassen. Mit großem Erfolg, würde ich mal sagen, denn man fühlt sich im „kleinen Landhotel“, in das Rebecca aus England „flieht“, sofort wirklich wohl. Der neue Roman aus der Reihe „Romantic Escapes“ fügt sich nahtlos ein in die Serie dieser leichten, flott geschriebenen und zum Träumen verführenden Titel, die bisher erschienen sind. Ob wir unterwegs waren in Italien, in Kroatien, in Prag oder wo auch immer – sofort ist man mittendrin im Flair der Stadt, der Region, im Leben der Figuren, die einem unmittelbar sympathisch sind und mit denen man sich freut, mit denen man traurig ist und – in der Regel – einen Neuanfang wagt. So auch hier.

Rebecca ist enttäuscht von einer unerfüllten Liebe, hat viel zu viel Verständnis für den Mann, der ihre Gefühle nicht erwidert und sie lediglich als selbstverständlich in seinem Leben erachtet. Wobei er nur an sich denkt, an seine Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Okay, er hat seine Frau verloren, ist noch immer in tiefer Trauer und tut sich schwer, ins Schriftsteller-Leben zurückzufinden. Rebecca respektiert und versteht das alles, dennoch ist sie enttäuscht, dass Will in ihr nur die gute Freundin sieht, die immer für ihn da ist und ihm beisteht.

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