Jennifer Bright: Pure Grace Academy: The Final Bow

Darum geht es: Aurélie ist zurück an der Pure Grace mit nur einem Ziel: den Tod ihrer Mutter aufzuklären. Cécile Cardot, gefeierte Primaballerina und Gründerin der angesehenen Ballettakademie in Paris, soll  sich das Leben genommen haben – doch ihre Tochter sieht das anders. Zurück in einer Welt, deren scheinbarer Perfektion Aurélie einst abgeschworen hatte, versucht sie, die Scherben ihrer Familie wieder zusammenzufügen. Dort trifft sie auf ihren ehemals besten Freund Lucian, von dem sie seit ihrem Weggang kein einziges Wort gehört hat. In den smaragdgrünen Augen des Klavierspielers regen sich Gefühle, die auch sie jahrelang verleugnet hat. Doch ihr gemeinsamer Pas de Deux bringt nicht nur seine Fassade zu Fall. Hinter den makellosen Gesichtern des Balletts tanzen noch immer die dunklen Schatten der Vergangenheit, bis der letzte Vorhang fällt – und Aurélie mit ihm.

Meine Meinung: Mit dieser Ballett-Academy hat die Autorin ein ganz besonderes Setting geschaffen. Es ist mal etwas völlig anderes im Romance-Bereich und ich habe mich unglaublich gerne auf diese Welt eingelassen.

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Kerstin Preiwuß: Wir alle

Doppelrezension:

Diese Rezension wurde verfasst von Wolfgang Mebs:

»Books – Food for thought«, steht auf einem Lesezeichen, das mir in einem englischen Laden ins Buch gelegt wurde.

Wie bei Kerstin Preiwuß, die uns in eine Welt aus Gedanken entführt, in eine zunächst undurchsichtige Welt: assoziativ, verwirrend, scheinbar zusammenhanglos. Wie das Leben der Hauptfiguren: Sonja, Inhaberin eines Pfandhauses, sucht nach Orientierung in einer sich verändernden Welt. So wie ihre Kunden: Vivian, eine leicht paranoide, sich in sozialen Medien verlierende junge Frau; der Stichling, der Sonja die mit seinem Detektor auf einem ominösen »Feld« gefundenen Schätze bringt; der Häuptling, ein Rentner, der sein Leben mit Beschäftigung zu füllen sucht.

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Per Petterson: Nach Hause kommen

Per Petterson wurde 1952 in Oslo geboren und zählt zu den erfolgreichsten norwegischen Schriftstellern. Früher arbeitete er als Buchhändler und Übersetzer. Seine Bücher wurden vielfach prämiert.

Pettersons Literatur liest sich oft bedrückend, aber immer mit der nötigen Portion Verständnis der Leser für die Hauptakteure. Dieser Autor schafft es, mit einfachen Worten die meist komplizierten Seelenzustände seiner Protagonisten offenzulegen und bei seinen Lesern das entsprechende Einfühlungsvermögen dafür hervorzurufen. Seine männlichen Protagonisten stecken vornehmlich in einer Krisensituation oder katapultieren sich geradewegs in eine solche hinein.

Die Geschichte in „Nach Hause kommen“ spielt, wie auch in Per Pettersons vorangegangenen Büchern, in seiner Heimat Norwegen.

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Gene Wolfe: Das Buch der Neuen Sonne I & II

Die Welt, rund eine Million Jahre in unserer Zukunft. Die natürlichen Ressourcen sind weitgehend erschöpft, Bergleute durchstöbern die Ruinen längst vergangener Metropolen – Städte, die für uns noch in ferner Zukunft liegen, nach Überbleibseln und Rohstoffen.

Der Mond, nunmehr Lune genannt, ist grün und bewaldet, das Ergebnis uralter Terraforming-Projekte.

Einst bereiste die Menschheit die Sterne, doch diese Zeit ist lang schon vorbei. Irgendetwas geschah – eines der großen Rätsel des Romans –, das die menschliche Zivilisation auf ihre Heimatwelt zurückwarf und zugleich die Sonne verwundete. Seither zehrt Urth, wie die Erde nun heißt, von den letzten Resten ihrer einstigen Größe.

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Eva-Maria Bast: Die letzte Pharaonin

Eine starke Liebe, politisches Kalkül und viele Widerstände, denen die Liebenden trotzen müssen.

All das findet sich in Eva-Maria Basts „Die letzte Pharaonin“. Interessanterweise geht es nicht um die Liebesgeschichte von Kleopatra und Cäsar, sondern um die Beziehung eines seiner Nachfolger und der ägyptischen Königin: Marcus Antonius. Normalerweise wird in der Populärkultur Kleopatras und Cäsars Liebschaft erzählt. Für Cäsar war Ägypten wichtig als Kornkammer Roms. Dafür half er ihr, den Thronstreit gegen ihren Bruder Ptolemaios zu gewinnen. In der Beziehung zu Marc Antonius ging es beiden jedoch vorrangig um die Ausweitung ihres Reiches. Diese Beziehung schien gleichberechtigter zu sein: Kleopatra war weniger abhängig von Marc Antonius, hatte keine grundsätzlichen Existenzängste.

Bast schreibt wortreich, in einem „ausgefüllten“ Erzählstil von der großen Liebe, die ständig Widerständen trotzen muss. Und wenn die beiden endlich gemeinsam einen Winter in Ruhe verbringen können, gibt es anschließend die nächste große Katastrophe. Herrscher eines großen Reichs zu sein, ist wirklich kein leichtes Leben.

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Freida McFadden: Die Ehefrau

Sylvia erhält ein auf den ersten Blick unschlagbares Jobangebot: Sie soll Victoria, die Ehefrau eines berühmten Schriftstellers, pflegen. Victoria ist seit einem schweren Unfall auf Hilfe angewiesen. Doch die anfängliche Routine wandelt sich schnell in ein beklemmendes Gefühl der Ahnungslosigkeit. Sylvia bemerkt, dass die Frau weit mehr mitbekommt als alle ahnen,  und beginnt zu zweifeln: Ist Victoria wirklich so hilflos, wie sie vorgibt zu sein? Als Sylvia schließlich Victorias verstecktes Tagebuch in einer Kommode entdeckt und darin liest, zieht es ihr komplett den Boden unter den Füßen weg. Ein gefährliches Verwirrspiel beginnt …

Spannung pur – Unvorhersehbar bis zur letzten Seite

Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein absoluter Pageturner!

Der Plot entwickelt eine Dynamik, bei der man als Leser zu keinem Zeitpunkt ahnen kann, in welche Richtung sich die Geschichte als Nächstes entwickelt. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen.

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Jo Fischler: Klein, aber tot: Ein Knuffigen-Krimi

Schon der Ortsname Knuffingen verspricht amüsante Unterhaltung. Diese Erwartung wird nicht getrübt in diesem kurzweiligen Cosy-Crime. Die 300 Seiten sind ungeheuer flott gelesen, weil flott geschrieben und mit Personen ausgestattet, die einen immer wieder schmunzeln lassen. Schon die Namen sind „knuffig“: Kriminaloberkommissar Johannes Karl Friedrich Wunder, sein bester Freund, Modellbauer Ecki Schiener, Floristin Liora Märklin – passt alles dazu, dass dieser erste Teil einer neuen Reihe von Regionalkrimis angesiedelt sein soll in der fiktiven Welt des Miniaturwunderlands Hamburg. Das spielt aber beim Lesen überhaupt keine Rolle, Knuffingen wirkt so echt wie jedes andere kleine, eigentlich verschlafene Dorf auch.

Es passiert eigentlich eher mal nichts. Das erklärt dann auch, warum Jojo Wunder als einziger verfügbarer Kommissar in Knuffingen sich um die mysteriöse Brandserie auf Schloss Löwenstein kümmern soll. Alle anderen Kollegen sind krank, auf Fortbildung oder sonstwie verhindert. Einzig Frau Schumann, die Assistentin des Chefs und Jojos ehemalige Grundschullehrerin sowie Buddha der gutmütige Bernhardiner des Chefs, der immer vor dessen Bürotür döst, ist noch auf der Wache anzutreffen und sorgt zuverlässig dafür, dass Jojo sich nicht langweilt. Die Kommunikation läuft überwiegend über Post-its, die Helga Schumann Jojo an den PC heftet – im Namen des Chefs, den interessanterweise keiner mal zu Gesicht bekommt, der aber anscheinend immer bestens über alles informiert ist. Dank Helga wahrscheinlich. Jedenfalls schickt Helga Jojo zu Schloss Löwenstein, wo es wieder mal einen Brandanschlag gegeben hat. Doch bevor er sich näher damit beschäftigen kann, wird Jojo zu einem Leichenfund gerufen. Der Kolumnist des „Knuffinger Tageblatts“, Friedrich Frank wurde ermordet. Frank hat sich mit seiner Kolumne „mit spitzer Feder“ im Ort allerhand Feinde gemacht, Verdächtige gibt es also ausreichend.

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Rebecca Taylor McKay: Er lügt

Wir lernen Clara zu einem Zeitpunkt kennen, als sie sich noch von einer langwierigen Erkrankung erholt. An welcher Krankheit sie leidet, ist anfangs nur angedeutet. Doch so nach und nach wird deutlich, dass ihre körperliche und psychische Verfassung durch ein schreckliches Ereignis ausgelöst worden ist. Und dies ausgerechnet während ihrer Flitterwochen in Italien, wenn Sommer, Sonne, azurblaues Meer und die Liebe von frisch Verliebten den Blick auf alles rosarot umschwebt.

Die Ich-Erzählerin Clara erzählt: „Ich bin nicht depressiv. Ich bin nicht traurig oder trübselig. Mein Hirn ist einfach zerbrochen wie eine teure Vase, mit der unvorsichtig umgegangen wurde.“ (S. 213) Auf der Suche nach Gründen und Antworten stößt sie stets auf Versatzstücke, die sie einfach nicht zu einem Bild verbinden kann. Nichts will passen und am schlimmsten ist, dass man ihre Wahrnehmungen nicht ernst nehmen will. Ihr Ehemann Spencer hat viele Gründe, um sein „Bambi“ im Unklaren zu lassen. Er ist auch nicht so engagiert wie Claras Ärzte, die glauben, wenn sie zurück an den Ort der Ursache für ihre Erkrankung käme, würden sich möglicherweise ihre Erinnerungslücken füllen.

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Emma Cline: In die Schweiz

Die US-amerikanische Schriftstellerin Emma Cline (Jahrgang 1989) hat nach zwei Romanen („The Girls“, „Die Einladung“) und einem Erzählband („Daddy“) ihren dritten Roman mit dem Titel „In die Schweiz“ geschrieben. Das Buch ist am 18. August 2026 im Carl Hanser Verlag erschienen. Nikolaus Stingl hat es aus dem Englischen übersetzt.

David Hastings letzte Reise führt „In die Schweiz“
„Switzy“, so der englische Originaltitel des Romans, steht auf der Longlist zum diesjährigen Booker Prize. Und das, das sei schon vorab gesagt, völlig zurecht.

David Hastings, Mitte siebzig und ehemaliger Finanzvorstand eines großen Unternehmens in den USA, ist auf dem Weg „In die Schweiz“. Mit dem Privatjet seines ehemaligen Geschäftspartners Stearns fliegt er zunächst nach London, um seine Tochter Rebecca und seinen Enkel Rainer zu besuchen und dann weiter zur begleiteten Sterbehilfe nach Zürich, nicht ohne vorher noch seinen alten Schulfreund Tom zu treffen, mit dem er sich nach vielen Jahren aussöhnen möchte. Es ist Davids Abschiedstour, er ist an Demenz erkrankt und wird seinen Verstand verlieren. Sein langjähriger Assistent Cody, von ihm nur „der Junge“ genannt, begleitet ihn.

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Edgar Selge: Juras letzter Winter

Edgar Selge wird den meisten von uns als Charakterdarsteller am Theater, im Film und im TV bekannt sein. Nach seinem erfolgreichen, hochgelobten Debüt „Hast du uns endlich gefunden“ hat er nun, mit fünf Jahren Abstand, seinen zweiten Roman vorgelegt. Grundlage für dieses Buch ist ein Tagebuch des fünfzehnjährigen Jura Rjabinkin.

Dieses Tagebuch erwähnt der russische Schriftsteller Daniil Granin am 27. Januar 2014 im Deutschen Bundestag in seiner sehr bewegenden Rede anlässlich des siebzigsten Jahrestages der Beendigung der Blockade von Leningrad. Daniil Granin war zum damaligen Zeitpunkt fünfundneunzig Jahre alt. Jura begann das Tagebuch im Juni 1941, sein letzter Eintrag war ein halbes Jahr später, am 8. Januar 1942. Edgar Selge hat dieses Tagebuch seit Jahren immer wieder gelesen, es hat ihn nicht losgelassen. Er greift die historischen Fakten auf und beginnt einen imaginären Gesprächsaustausch mit Jura. Es gelingt dem Autor, die größtmögliche Nähe zu seinem Protagonisten aufzubauen. Edgar Selge hält Zwiesprache mit Jura, der vor seinem inneren Auge Gestalt annimmt, und kommuniziert mit ihm, als säße er ihm gegenüber. Nicht immer gelingt die Kontaktaufnahme zu Jura, manchmal bleibt er dem Erzähler fern. Je tiefer es Selge aber gelingt, in Juras Leben einzutauchen, desto lebendiger erscheint ihm dieser und desto mehr zieht er Vergleiche zu sich und seiner eigenen Jugend. So werden der Erzähler selbst wie auch Jura zur Romanfigur. Selge und Jura haben durchaus Gemeinsamkeiten. Sie kommunizieren über ihre Träume, über Literatur oder über ihre Mütter. Dadurch entsteht eine sehr enge Verbindung zwischen beiden Personen und Nähe zu den Lesern.

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